Schutz von Patienten in der Nuklearmedizin wird verbessert

Strahlenschutz/Medizin
Versorgung und Schutz von Patienten in der Nuklearmedizin wird verbessert —
Bundesumweltministerium übergibt „Aktivitätsrechner“

Das Bundesumweltministerium hat heute in Bremen der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin einen sogenannten „Aktivitätsrechner“ übergeben. Mit diesem Computerprogramm, das im Rahmen eines Forschungsvorhabens des Bundesumweltministeriums entwickelt wurde, kann zukünftig die für Pa-tientenuntersuchungen in der Nuklearmedizin eingesetzte Menge an radioaktiven Stoffen in jeder Klinik oder Praxis besser berechnet werden. Damit kann dem derzeitigen Versorgungsengpass für Radionuklide in der Nuklearmedizin entgegengewirkt werden. Außerdem wird der Einsatz von radioaktiven Substanzen, die mit einer höheren Strahlendosis für Patientinnen und Patienten und dem medizinischen Personal verbunden sind, eingeschränkt.

In Deutschland wird in der Nuklearmedizin ca. 60.000 Mal pro Woche das radioaktive Nuklid Technetium-99m eingesetzt. Mit dessen Hilfe können Krebserkrankungen entdeckt, die Schilddrüsenfunktion kontrolliert sowie verschiedene Stoffwechselaktivitäten in Geweben von Patientinnen und Patienten dargestellt werden. 

Technetium-99m ist ein Zerfallsprodukt des Radioisotops Molybdän-99 und das weltweit am meisten eingesetzte Radioisotop in der Nuklearmedizin. Molybdän-99 wird aus hoch-angereichertem Uran hergestellt. Mit einer Halbwertszeit von nur 66 Stunden muss es rasch weiter verarbeitet werden. Es wird auf sogenannte Generatoren verteilt, aus denen das Zerfallsprodukt Technetium-99m herausgelöst wird. 

In den letzten Jahren ist es immer wieder zum Ausfall der drei europäischen Forschungs-reaktoren in den Niederlanden, Belgien und Frankreich gekommen, die das Ausgangsnuklid für Technetium-99m produzieren. Dadurch kommt es regelmäßig zu europaweiten Versorgungsengpässen. Das Problem kann sich in Zukunft noch weiter verschärfen, da alle für die Produktion benutzten Forschungsreaktoren zwischen 40 und 50 Jahre alt sind und daher Stilllegungen in absehbarer Zeit zu erwarten sind. 


In Deutschland wird momentan kein Molybdän-99 für medizinische Anwendungen hergestellt. Es ist jedoch geplant, den Forschungsreaktor in München umzubauen, so dass dieser in den nächsten Jahren die Produktion aufnehmen kann. 

Um der Gefahr entgegenzuwirken, dass in Zeiten des Technetium-Mangels auf Ersatznuklide mit höherer Strahlenbelastung für Patienten und Personal zurückgegriffen wird, hat das Bundesum-weltministerium das Forschungsvorhaben „Optimierung des Radionuklidverbrauchs“ gefördert. Das Ziel des Vorhabens war es, die eingesetzte Menge an Radionukliden für nuklearmedizinische Anwendungen in jeder Klinik oder Praxis zu optimieren. Das heißt, dass auf Grundlage der indivi-duellen Untersuchungsanforderungen des jeweiligen Patienten und unter Berücksichtigung des radioaktiven Zerfalls des zur Verfügung stehenden Technetiums ein rechnergesteuerter Patien-tenplan erstellt wird.

Hinweis: Die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V. (DGN) stellt den „Aktivi-tätsrechner“ auf ihrer Internetplattform den Nuklearmedizinern kostenfrei zur Verfü-gung. Nähere Informationen unter http://www.nuklearmedizin.de.

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