Bundesumweltminister Röttgen gründet Plattform Erneuerbare Energien

Bundesumweltminister Röttgen gründet Plattform Erneuerbare Energien

Alle relevanten Akteure der Energiewende an einem Tisch

Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen hat heute die Plattform Erneuerbare Energien gegründet, ein neues Gremium aller relevanten Akteure der Energiewende. Zentrale Aufgabe der neuen Plattform wird die Koordinierung des weiteren Ausbaus der erneuerbaren Energien, deren Marktintegration und ihr Zusammenwirken mit den konventionellen Energieträgern sowie die Verzahnung des Ausbaus der erneuerbaren Energien mit den Planungen für den Netzausbau sein.

In der Plattform Erneuerbare Energien kommen Vertreterinnen und Vertreter von Bund, Ländern, Städten und Kommunen, der Erneuerbare-Energien-Branche, der Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber, von Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutzverbänden, von Wirtschaftsverbänden und konventioneller Energiewirtschaft sowie Wissenschaftler und Forscher zusammen. Im Rahmen der Plattform Erneuerbare Energien ziehen alle an einem Strang, die den Erfolg der Energiewende konstruktiv und zielorientiert mitgestalten wollen. Der Enthusiasmus der einzelnen Akteure für die Energiewende soll kanalisiert, ein Austausch der Erfahrungen und Instrumente organisiert – und so wertvolle Synergieeffekte mobilisiert werden.

Der Erfolg der Energiewende bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Entwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte. Sie haben sich von einer Nischenfunktion zu einer tragenden Säule entwickelt, die 20 Prozent der Stromversorgung deckt. Das 35-Prozent-Ziel bis 2020 wird aller Voraussicht nach übererfüllt. Dieser Erfolg der Energiewende bringt neue Herausforderungen mit sich: Ziel ist es, das Wachstum der erneuerbaren Energien optimal mit dem Netzausbau zu verzahnen, die Marktintegration erneuerbarer Energien zu fördern sowie ihr Zusammenwirken mit den konventionellen Energieträgern zu koordinieren. Mit einem stetig wachsenden Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung verlagert sich der Schwerpunkt der Aufgaben hin zu deren Markt- und Systemintegration, bei gleichzeitiger Gewährleistung von Netzstabilität und Versorgungssicherheit.

Drei Arbeitsgruppen – eng verzahnt mit der Netzplattform des Bundeswirtschaftsministeriums

Die Arbeit der Erneuerbare Energien Plattform wird in einem ersten Schritt auf den Strombereich fokussiert. Drei Arbeitsgruppen werden ins Leben gerufen:

1. Markt- und Systemintegration erneuerbarer Energien

Hier wird die konzeptionelle Weiterentwicklung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beraten – in Hinblick auf die Herausforderungen, die ein wachsender Anteil erneuerbarer Energien für das Gesamtsystem bedeutet.

2. Zusammenspiel von Netzausbau und Ausbau erneuerbarer Energien

Der Ausbau erneuerbarer Energien einerseits sowie der Ausbau des Übertragungs- und Verteilnetzes andererseits müssen aufeinander abgestimmt sein. Diese Arbeitsgruppe sucht – in enger Abstimmung mit der Netzplattform des Bundeswirtschaftsministeriums – gemeinsam nach Lösungen, wie die Entwicklungen ökonomisch effizient und umweltpolitisch sinnvoll miteinander verzahnt werden können.

3. Zusammenwirken von erneuerbaren Energien, konventionellen Energien und der Nachfrageseite Diese Arbeitsgruppe wird Empfehlungen für das kosteneffiziente und versorgungssichere Zusammenwirken von erneuerbaren Energien, konventionellem Kraftwerkspark und der Nachfrageseite erarbeiten. Beispielsweise geht es um die Sicherstellung ausreichender konventioneller Kapazitäten sowie um Flexibilitätspotentiale in der konventionellen Stromerzeugung sowie der Nachfrageseite.

Grundgedanke der Plattform Erneuerbare Energien:
Organisches Wachstum der erneuerbaren Energien statt Zubaurekorde

Schon heute wird in Deutschland mehr Strom aus Wind, Sonne und Wasserkraft erzeugt, als aus Steinkohle und Kernenergie. Wiederholte Zubaurekorde bei Wind- und Sonnenenergie, gar ein unabgestimmter Wettlauf einzelner Bundesländer gefährden jedoch die Netzstabilität und erschweren die Markt- und Systemintegration erneuerbarer Energien. Die Plattform Erneuerbare Energien stellt sich zukünftig der komplexen Aufgabe, bei den erneuerbaren Energien stets eine integrierte Betrachtung des Gesamtsystems vorzunehmen. Die Planung der Länder zum Ausbau der erneuerbaren Energien muss zukünftig besser auf die Netzkapazitäten und die Ausbaupläne für die Netze abgestimmt werden.

Zur Koordination der Arbeitsgruppen wird es einen Steuerungskreis unter Leitung des Bundesumweltministeriums geben. Hier werden die konkreten Themen für die Arbeitsgruppen definiert und die Ergebnisse zusammengeführt. Es erfolgt eine enge inhaltliche und organisatorische Abstimmung mit der Netzplattform des Bundeswirtschaftsministeriums.

Zur Debatte um die deutsche Photovoltaik-Branche –
welche Rolle spielt der Weltmarkt?

In der vergangenen Woche gab das amerikanische Unternehmen First Solar bekannt, sein Werk in Frankfurt an der Oder zu schließen. Die Entscheidung, so erklärte Bundesumweltminister Norbert Röttgen, ist ein schwerer Schlag für die 1.200 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in einer Region, die große Hoffnungen in die Photovoltaikindustrie gesetzt hat. Vorausgegangen waren in den vergangenen Wochen und Monaten vermehrt Meldungen über die äußerst angespannte Lage auf dem Photovoltaik-Weltmarkt. Gleichzeitig kündigte First Solar an, auch einen Teil seiner Produktionsstätte in Malaysia still zu legen. Dort sind 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betroffen. Was ist der Hintergrund dieser globalen Entwicklungen?

Tiefrote Zahlen trotz Rekord-Zubaus in Deutschland. Warum?

Vorwürfe und Erklärungsversuche, dass die am 29. März im Deutschen Bundestag (die Entscheidung des Bundesrates steht noch aus) verabschiedete Vergütungsanpassung für die Stromerzeugung aus Photovoltaikanlagen Ursache für die schwierige Branchensituation sei, gehen an der Realität vorbei und blenden die dramatische Entwicklung auf dem Weltmarkt für Photovoltaikmodule aus. Die tiefroten Zahlen vieler Hersteller sind entstanden, obwohl in 2010 und 2011 in Deutschland jeweils Photovoltaik-Module mit einer installierten Leistung von 7.500 MW ans Netz angeschlossen wurden. Zur Verdeutlichung: Im Jahr 2010 entsprach dies einem deutschen Anteil an den weltweit installierten Modulen von über 40 Prozent. Diese Entwicklung setzt sich fort: Schon jetzt ist absehbar, dass der Zubau in Deutschland auch in diesem Jahr den Zielkorridor von 2.500 bis 3.500 MW übertreffen wird. Darauf deutet der Zubau im 1. Quartal 2012 hin, der nach ersten Auswertungen deutlich über den Zahlen für das Vergleichsquartal des Vorjahres liegt.

Anbei eine Grafik, die die Umsatz- und Gewinnentwicklung ausgewählter Unternehmen der Photovoltaikbranche jeweils in den ersten drei Quartalen der Jahre 2010 und 2011 vergleicht:

(Quelle: BMU auf Basis veröffentlichter Unternehmensberichte)

Wie konnte es zu dieser Entwicklung kommen? Eine der wesentlichen Ursachen ist der rapide und ungebremste Preisverfall für Photovoltaikmodule aufgrund massiver weltweiter Überkapazitäten. Bereits im Jahr 2010 stand einem Weltmarktvolumen für Photovoltaikmodule von 19.000 MW eine Produktionskapazität von 40.000 MW gegenüber. 2011 verschärfte sich die Situation dramatisch: Einem Weltmarktvolumen von 27.000 MW stand eine weltweite Produktionskapazität von 60.000 bis 70.000 MW gegenüber. Das zeigt: Selbst bei einem erneuten Rekord-Zaubau von 7.500 MW in Deutschland könnte der Produktionsüberhang nicht abgebaut werden, da die weltweite Produktionskapazität nahezu das zehnfache beträgt. Dieser ruinöse Wettbewerb der Hersteller kennt fast ausschließlich Verlierer:

Die folgende Grafik zeigt, dass mittlerweile auch chinesische Hersteller Verluste machen. Dargestellt wird die Entwicklung der Bruttogewinnspanne chinesischer Solarfirmen vom 1. Quartal 2010 bis zum 4. Quartal 2011:

Gross margins of major solar firms in China, 1Q10-4Q11 (%)

Quelle: www.digitimes.com/Reports/Report.asp?datepublish=2012/04/09&pages=VL&seq=208

Ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ein geeignetes Instrument, um die Verluste der Hersteller auszugleichen?

Nein. Das weltweite Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage lässt sich nicht durch das EEG korrigieren. Zumal – wie oben beschrieben – die weltweite Produktionskapazität für Module in Höhe von rund 70.000 MW den deutschen Zielkorridor von rund 2.500 bis 3.500 MW jährlichem Zubau mittlerweile um ein dutzendfaches übersteigt. Das Gegenteil ist richtig: Würde Deutschland trotz des globalen Preisverfalls bei den Modulen die Einspeisevergütung unverändert fortführen, würde das weltweite Überangebot in den deutschen Markt drängen – zu Lasten der deutschen Stromverbraucher. Bundesumweltminister Norbert Röttgen hatte zu diesem Aspekt in der vergangenen Woche klar Stellung bezogen: „Eine derartige Subventionierung globaler Überkapazitäten durch die deutschen Stromverbraucher ist nicht hinnehmbar. Deshalb wurde die EEG-Vergütung zum 1. April dieser Preisentwicklung angepasst, um die EEG-Umlage stabil zu halten.“

Obwohl in der laufenden Legislaturperiode die Vergütungssätze für Strom aus Photovoltaikanlagen schon vor dem 1. April um rund 50 Prozent gesenkt worden waren, konnten aufgrund des noch rapideren Preisverfalls bei den Modulen nach wie vor zweistellige Renditen mit Solarstrom erwirtschaftet werden. Ein – auch sozialpolitisch – nicht haltbarer Zustand vor dem Hintergrund der Umlage der Kosten auf alle Stromverbraucherinnen und Stromverbraucher, der von Bundesregierung und Bundestag nunmehr konsequent angegangen wurde.

Hannover Messe dokumentiert wachsende Bedeutung der Umweltwirtschaft für die deutsche Industrie

Zugpferd dieser dynamischen Entwicklung sind die erneuerbaren Energien

Dass die Hannover Messe in diesem Jahr „Greentelligence“ als Leitthema gewählt hat, bestätigt die wachsende Bedeutung der Umweltwirtschaft in Deutschland. Die Umweltwirtschaft ist eine Querschnittsbranche, die Unternehmen umfasst, die Umweltschutzgüter und -dienstleistungen produzieren und anbieten. Wie der von Umweltministerium und Umweltbundesamt herausgegebene „Umweltwirtschaftsbericht 2011“ dokumentiert, ist die Produktion von Umweltschutzgütern in Deutschland weiter überdurchschnittlich gewachsen und erreicht inzwischen ein Produktionsvolumen von fast 76 Milliarden Euro. Mit einem Welthandelsanteil von rund 15 Prozent liegt Deutschland auf einem Spitzenplatz beim Export von Umweltschutzgütern. Nach jüngsten Berechnungen gibt es knapp 2 Millionen Beschäftigte in der Umweltwirtschaft – ein neuer Höchststand. Zugpferd dieser dynamischen Entwicklung waren und bleiben die erneuerbaren Energien. Auch während der weltweiten Wirtschaftskrise legte dort die Güterproduktion zu – und zwar gegen den allgemeinen Trend.

Außergewöhnliche Wachstumsraten für Umwelttechnologien

Das Weltmarktvolumen der sechs grünen Zukunftsmärkte wird sich nach einer Studie von Roland Berger Strategy Consultants von 1.400 Milliarden Euro im Jahr 2007 auf 3.100 Milliarden Euro im Jahr 2020 mehr als verdoppeln. Das prognostizierte Wachstum wird voraussichtlich mehr als 5 Prozent jährlich betragen. Für die erneuerbaren Energien wie Photovoltaik, Solarthermie, Biogasanlagen und Windenergie werden jährlich sogar weltweite Wachstumsraten des Umsatzes von 15 bis über 30 Prozent erwartet – eine große Chance für deutsche Unternehmen.

Große Erfolge Deutschlands bei der Steigerung der Energie- und der Rohstoffproduktivität

Deutschland hat bei der ökologischen Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft schon viel erreicht. Heute werden zum Erwirtschaften der gleichen Erträge deutlich weniger Rohstoffe, Flächen und Energie benötigt und weniger Schafstoffe ausgestoßen als noch vor zehn Jahren. Zwischen 1990 und 2010 stieg die Energieproduktivität um rund 39 Prozent, die Rohstoffproduktivität sogar um rund 47 Prozent. Erfreuliche Entwicklungen gab es auch bei den Luftschadstoffemissionen: Gegenüber 1990 konnten sie im Berichtzeitraum um 56 Prozent verringert werden. Bei der Verwertung von Abfällen und seiner umweltfreundlichen Beseitigung ist Deutschland ebenfalls Vorbild: Rund 90 Prozent der Bauabfälle und 63 Prozent der Siedlungs- und Produktionsabfälle werden bereits recycelt.

Umweltwirtschaft besonders forschungsintensiv und innovativ

Die Zukunftsdynamik nachhaltiger Produktion wird durch ein weiteres interessantes Ergebnis unterstrichen: In der Umweltwirtschaft wird außergewöhnlich häufig, intensiv und kontinuierlich geforscht. Fast 80 Prozent der Produktionsbereiche in der Umweltbranche sind besonders forschungs- und wissensintensiv. Ziel ist, Innovations- und Umweltpolitik sinnvoll zu verzahnen und gleichzeitig neue Märkte für Umwelttechnologien zu erschließen – ein wichtiges Thema im Wissenschaftsjahr 2012.

Der Umweltwirtschaftsbericht stützt sich auf zahlreiche Forschungsvorhaben und Zahlenmaterial von statistischen Ämtern. Er kann beim UBA unter www.umweltbundesamt.de oder im BMU (Öffentlichkeitsarbeit, Broschüre Nr. 2030) bestellt oder unter www.bmu.de/umweltwirtschaftsbericht heruntergeladen werden.

Potenziale für Solar- und Windenergie weltweit erkennen

Deutschland unterstützt Globalen Atlas für Solar- und Windenergie

Der erste Prototyp eines Globalen Atlas für Solar- und Windenergie wurde Mitte dieser Woche in London auf einer hochrangig besetzten internationalen Energiekonferenz vorgestellt. Der Atlas wurde unter anderem von Deutschland angeregt und er wird derzeit unter deutscher Beteiligung entwickelt.

Der Globale Atlas verbindet existierende Datenbanken zu Solar- und Windpotentialen aus der ganzen Welt und stellt diese in einem freiverfügbaren Internetportal zur Verfügung. Das Portal stellt Informationen für Nutzer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft bereit. Die im Atlas enthaltenen Daten sollen zum verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien und der Erschließung neuer Märkte weltweit beitragen.

Der Globale Atlas für Solar- und Windenergie ist das Produkt einer erfolgreichen multilateralen Kooperation. Angestoßen von den Regierungen Deutschlands, Dänemarks und Spaniens wird der Atlas derzeit unter der Koordination der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA) entwickelt. Forschungsinstitute wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und weiteren internationalen Organisationen wie das UN-Umweltprogramm (UNEP) sind beteiligt.

Während der Energiekonferenz in London, dem dritten „Clean Energy Ministerial“, bekräftigten weitere Länder wie die USA, Australien, Frankreich, Indien, Mexiko, Norwegen, Südafrika und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Unterstützung am Aufbau des Globalen Atlas.

Weitere Informationen zum Globalen Atlas: Film von DLR und IRENA: www.youtube.com

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