Japan: Aktuelle Sich erheitslage der bet r offenen AKW´s 25.0 3. 2011, 16:30 Uhr ( MEZ )


Aktualisierte Informationszusammenstellung


Änderungen gegenüber dem letzten Stand in Kap. 2 sind in Abschnitt 1 angegeben. Der bisherige Ereignisablauf findet sich in Kapitel 2. Eine tabellarische Kurzbeschreibung der Sicherheitslage findet sich in Kapitel 4. Darin sind auch Präzisierungen und Ergänzungen zu in den letzten Tagen bereits berichteten Ereignissen und Zuständen enthalten.

Änderungen gegenüber letztem Stand

Fukushima Daiichi

Nach IAEA Information (25.03.2011, 06:00 MEZ) sind inzwischen die Beleuchtung auf der Warte für Block 1 und 3 und einige Instrumentierungen für die Blöcke 1, 2 und 4 wiederhergestellt worden.
Block 1
Weißer Qualm steigt kontinuierlich auf und es wird weiterhin Meerwasser in den RDB eingespeist (NISA, 25.03.2011, 06:20 Uhr). Nach Informationen von JAIF (25.03.2011, 21:00 Uhr) erfolgt die Einspeisung in den RDB seit dem Nachmittag nicht mehr mit Meerwasser, sondern mit Frischwasser..
Block 2
Weißer Qualm steigt kontinuierlich auf und es wird weiterhin Meerwasser in den RDB eingespeist (NISA, 25.03.2011, 06:20 Uhr). Von 10:30 Uhr bis 12:19 Uhr am 25.03.2011 wurde in das BE-Lagerbecken Meerwasser mit dem Beckenkühl- und Reinigungssystem eingespeist (TEPCO, NISA).
Block 3
Keine Änderungen. Die Meerwassereinspeisung in den Reaktordruckbehälter wird fortgesetzt.
Block 4
Weißer Qualm steigt kontinuierlich auf (NISA, 25.03.2011, 06:20 Uhr). Von 06:05 Uhr bis 10:20 Uhr am 25.03.2011 wurde in das BE-Lagerbecken Meerwasser mit dem Beckenkühl- und Reinigungssystem eingespeist (NISA, TEPCO).
Blöcke 5 und 6
Keine Änderungen.
Zwischenlager am Standort Fukushima Daiichi
Um 15:37 Uhr (24.03.2011) wurde das Zwischenlager auf externe Stromversorgung umgestellt und anschließend der Kühlbetrieb aufgenommen (24.03.11, 18:05 Uhr).

Fukushima Daini

Keine Änderungen.

Onagawa 1-3 und Tokai

Keine Änderungen.

Radiologische Situation

Am 25.03.2011 zeigte sich am Messpunkt Haupttor gegen 10:30 Uhr ein Anstieg der ODL auf 540 µSv/h, bis 15:30 Uhr gingen die Messwerte auf ca. 205 µSv/h zurück.
Aktualisierte Versionen der Graphiken zu den Ortsdosisleistungen an den Standorten Fukushima Daiichi und Fukushima Daini sowie der Übersicht der in der weiteren Umgebung gemessenen Ortsdosisleistungen befinden sich am Schluss des Berichtes.
Kurzzeitig angestiegende Ortsdosierungen an den verschiedenen Messpunkten.
Abbildung 1: Gemessene Dosisleistungen an ausgewählten Messpunkten Fukushima Daiichi – Daten des Betreibers TEPCO
Abbildung 2: Gemessene Dosisleistungen an ausgewählten Messpunkten Fukushima Daini – Daten des Betreibers TEPCO
Abbildung 3: Übersicht zu ODL-Messungen aus verschiedenen Präfekturen der Insel Honshu

Zusammengefasste bisherige Anlagensituation

Am 11.03.2011 ist in Japan um 14:46 Uhr (06:46 Uhr MEZ) ein Erdbeben aufgetreten. Hierdurch und durch die darauffolgende Flutwelle waren auch die Kernkraftwerksstan-dorte Fukushima I (Daiichi), Fukushima II (Daini), Onagawa und Tokai betroffen.

Fukushima Daiichi

An diesem Standort waren die Blöcke 1-3 zum Ereigniseintritt im Leistungsbetrieb. Die Blöcke 4-6 waren zum Ereigniseintritt abgeschaltet. An dem Standort sind die Not-stromaggregate als Folge des Tsunami ausgefallen. Es sind mobile Notstromaggregate auf die Anlage gebracht worden.
Aufgrund der hohen Strahlung wurde die Anlage am 16.03.2011 um 10:45 Uhr (02:45 Uhr MEZ) komplett geräumt. Sie wird nur noch betreten, um wichtige Maßnah-men durchzuführen oder Messdaten aufzunehmen. (Pressekonferenz Regierung um 12:00 Uhr (04:00 Uhr MEZ)) Die Ortsdosisleistung am Tor liegt im Bereich von 2,5 – 6,5 mSv/h. Mittlerweile ist ein Teil der Mannschaft wegen gesunkener Strahlenpegel wieder aufs Anlagengelände zurückgekehrt.
NISA berichtet, dass TEPCO die Stromversorgung von der in der Nähe befindlichen Hochspannungsleitung aus herstellen will. Die Stromversorgung wird von Tohoku Electric Power bereitgestellt. Eine Fertigstellung sollte am Nachmittag des 17.03.2011 erfolgen. Der genaue Status zur Fertigstellung der Stromversorgung ist zurzeit nicht bekannt. Laut TEPCO (zitiert nach ASAHI) ist allerdings noch nicht sichergestellt, ob Notkühlsysteme nach einer hergestellten Stromversorgung wieder funktionieren.
Nach NHK ist es beabsichtigt, die Nebenkühlwasserpumpen zu reparieren.
Nach Angaben von TEPCO wurde am 21.03.2011 Kobalt, Jod und Cäsium im Auslauf-kanal der Blöcke 1 bis 4 detektiert.
Lt. JAIF wurde ermittelt, dass die Flutwelle am Kraftwerk eine Höhe von 14 m hatte und damit den Auslegungswert um mehr als das Zweifache überstieg.
Laut Pressemitteilungen sind die Schaltanlagen aller 6 Blöcke am 22.03.2011 mit einer externen Stromversorgung verbunden. Jedoch sind keine Verbraucher (bis auf Block 5) zugeschaltet worden, da noch Überprüfungen notwendig sind.
Gemäß JAIF wurden Temperaturmessungen der RDB-Oberflächentemperatur in Block 1 bis 3 wieder hergestellt.
Nach IAEA Informationen vom 23.03.2011 um 6 Uhr MEZ (14 Uhr Ortszeit in Japan) liegen Dosisleistungen für das Containment und die Kondensationskammer in den Blöcken 1-3 für die Anlagen in Fukushima Daiichi vor. Aktuelle Angaben zu den Dosisleistungen in Druck- und Kondensationskammer siehe Tabelle in Kapitel 4.
Nach IAEA Information (25.03.2011, 06:00 MEZ) sind inzwischen die Beleuchtung auf der Warte für Block 1 und 3 und einige Instrumentierungen für die Blöcke 1, 2 und 4 wiederhergestellt worden.
Block 1
Es wurde boriertes Meerwasser in den Reaktordruckbehälter gepumpt (ob ebenfalls der Sicherheitsbehälter geflutet worden ist, bleibt unklar). Die Einspeisung begann am 12.03.2011 um 20:20 Uhr.
Am 13.03.2011 um 11:13 Uhr hat nach Angaben der Presseagentur Kyodo die Behörde ein Leck in Block 1 vermutet.
Der Regierungssprecher Edano sagte, dass sich möglicherweise eine Kernschmelze ereignet haben könnte. Laut TBS (jap. Fernsehsender) sind vermutlich 70% der Brennelemente geschädigt. Die Anzahl der defekten Brennstäbe soll sich von 43% auf 70% erhöht haben (Quelle: Auswärtiges Amt, 16.03.2011). Nach Angaben vom 16.03.2011 liegen die Brennstäbe im Reaktordruckbehälter 1,8 m frei (17:00 Uhr).
IAEA gibt an, dass die elektrische Versorgung über mobile Generatoren gesichert ist und weiterhin eine Einspeisung von Meerwasser erfolgt.
Aktuelle Angaben zu physikalischen Werten wie zum Beispiel Druck und Temperatur siehe Tabelle in Kapitel 4.
Die Kabel zur Schaltanlage Block 1 und Block 2 sind angeschlossen. (Meldung JAIF 22:00 Uhr, 20.03.2011)
Die Meerwassereinspeisung in den Reaktordruckbehälter wird fortgesetzt. Entspre-chend einer Pressemeldung des Betreibers wird seit 02:30 Uhr (23.03.2011) das Meerwasser wahrscheinlich über Leitungen des Speisewassersystems in den Reaktor eingespeist.
In einer Pressekonferenz der NISA um 10 Uhr (23.03.2011) wird von Kerntemperaturen um die 400°C gesprochen. Daraufhin soll die Kernkühlung durch weitere Einspeisestränge verbessert worden sein. (JAIF No24 und Kyodo News).
Die als Kerntemperaturen bezeichneten Messwerte von über 400 °C sind nach neueren Erkenntnissen Temperaturmesswerte von der Außenseite des RDB. Diese sind bis 16:00 (23.03.2011) auf ca. 305 °C zurückgegangen.
Die Einspeiserate in den RDB stieg nach NISA (24.03.2011, 05:00 Uhr) am 23.03.2011 ab 02:33 Uhr von 2 m³/h auf 18 m³/h durch zusätzliche Einspeisung über die Speise-wasserleitung. TEPCO verringerte die Einspeiserate in den RDB ab 09:00 Uhr auf 11 m³/h, weil es durch das vermehrt eingespeiste Kühlmittel zu einem Druckanstieg im Containment gekommen ist (24.03.2011, 11:30 Uhr, JAIF). Nach JAIF (24.03.2011, 16:00 Uhr) ist der Druck im RDB angestiegen und die Temperatur im RDB gefallen. Der Druck im Containment steigt.
Nach JAIF (24.03.2011, 22:00 Uhr) steigt der Druck im RDB langsam und die Tempe-ratur im RDB fällt langsam. Der Druck im Containment steigt leicht.
Die Stromversorgung der Warte wurde gegen 11:30 Uhr (24.03.2011) hergestellt.
Laut der Nachrichtenagentur Kyodo (25.03.11) mussten die Arbeiten an Block 1 und 2 eingestellt werden, da in den Untergeschossen stark kontaminiertes Wasser gefunden wurde.
Weißer Qualm steigt kontinuierlich auf und es wird weiterhin Meerwasser in den RDB eingespeist (NISA, 25.03.2011, 06:20 Uhr). Nach Informationen von JAIF (25.03.2011, 21:00 Uhr) erfolgt die Einspeisung in den RDB seit dem Nachmittag nicht mehr mit Meerwasser, sondern mit Frischwasser.
INES Einstufung der Behörde
Das Ereignis in Block 1 wurde am 12.03.2011 aufgrund der Freisetzung außerhalb der Anlage von der Behörde vorläufig nach INES 4 eingestuft. Die INES-Einstufung wurde am 18.03.2011 auf INES 5 erhöht.
Block 2
Der Füllstand im Reaktordruckbehälter von Block 2 lag bis zum 14.03.2011 unter dem Normalfüllstand. Er fiel zunächst nicht. Eine Einspeisung erfolgte mit einem Notkühl-system. Von NISA wurde berichtet, dass am 13.3.2011 um 11:55 Uhr die elektrische Versorgung gesichert ist (gemäß IAEA über mobile Generatoren) und die Einspeisung in den Reaktor aufrechterhalten wurde.
In Block 2 ist die Kühlung am 14.03.2011 um 13:25 Uhr ausgefallen. Zeitweise wurde eine Kühlung mit Meerwasser wieder hergestellt. Zeitweise waren die Brennelemente nicht mit Wasser bedeckt. Der Druck im Sicherheitsbehälter stieg am 14.03.2011 gegen 20 Uhr auf ca.4,15 bar (etwa Auslegungsdruck). Um 20:37 Uhr wurde mit der Druckentlastung des Sicherheitsbehälters begonnen. Laut TEPCO wurde eine Öffnung in das Reaktorgebäude geschaffen, um eine Explosion des Wasserstoffs im Reaktor-gebäude zu vermeiden.
Eine Explosion im Block 2 ist am 15.03.2011 um 06:20 Uhr aufgetreten. Nach IAEA wurden auf dem Anlagengelände bis zu 400 mSv/h gemessen. JAIF berichtet von 30 mSv/h zwischen Block 2 und 3, 400 mSv/h neben Block 3 und 100 mSv/h neben Block 4. Nach Pressemeldungen geht man aufgrund eines Druckabfalls im Sicher-heitsbehälter von einer Beschädigung der Kondensationskammer aus.
Laut Kyodo sind nach Angaben von TEPCO ca. 33% der Brennelemente beschädigt. NISA vermutet, dass die ab ca. 10:00 Uhr gemessene hohe Strahlung von Block 2 ausgeht. Denkbar ist aber auch ein Zusammenhang zwischen der hohen Strahlung und der Dampffahne aus Block 3.
Die Brennstäbe im Reaktordruckbehälter liegen ca. 1,40 m frei.
Die Einspeisung von Meerwasser über das Feuerlöschsystem in den Reaktordruckbe-hälter wird laut Information der NISA vom 18.03.2011, 6:30 Uhr fortgesetzt. Über dem Reaktorgebäude steigt weißer Dampf auf.
Aktuelle Angaben zu physikalischen Werten wie zum Beispiel Druck und Temperatur siehe Tabelle in Kapitel 4.
Nach JAIF (Japan Atomic Industrial Forum) vom 19.03.2011 um 10:00 Uhr gibt es kei-ne Informationen zur Brennelementintegrität im BE-Lagerbecken von Block 2.
Informationen von TEPCO 19.3.11 09:00 Uhr: Eine externe Stromversorgung über ei-nen Reservenetztransformator wurde hergestellt. Derzeit werden Kabel zu einer Be-helfsschaltanlage gelegt.
Die Einspeisung von Meerwasser in das BE-Lagerbecken wurde am 20.03.2011 um 15:05 Uhr begonnen. (Meldung JAIF 22:00 Uhr, 20.03.2011)
Die Schaltanlagen des Blocks 2 wurden am 20.03.2011 um 15:36 mit Spannung ver-sorgt.
Lt. JAIF meldete TEPCO, dass sich die Rauchentwicklung verringerte und ca. um 7:00 Uhr am 22.03.2011 nicht mehr sichtbar war.
Es erfolgte am 22.03.2011 Uhr 16:07 Uhr bis 17:01 Uhr eine Einspeisung von 18 t Meereswasser in das BE-Lagerbecken.
Auf Grund hoher Strahlungswerte von über 500 mSv/h am Block 2 konnten bisher kei-ne Arbeiten zur Wiederherstellung der elektrischen Versorgung der Warte vorgenom-men werden. (Kyodo)
Die Meerwassereinspeisung in den Reaktordruckbehälter wird fortgesetzt.
Laut der Nachrichtenagentur Kyodo (25.03.11) mussten die Arbeiten an Block 1 und 2 eingestellt werden, da in den Untergeschossen stark kontaminiertes Wasser gefunden wurde.
Weißer Qualm steigt kontinuierlich auf und es wird weiterhin Meerwasser in den RDB eingespeist (NISA, 25.03.2011, 06:20 Uhr). Von 10:30 Uhr bis 12:19 Uhr am 25.03.2011 wurde in das BE-Lagerbecken Meerwasser mit dem Beckenkühl- und Reinigungssystem eingespeist (TEPCO, NISA).

INES-Einstufung der Behörde

Das Ereignis in Block 2 wurde von der Behörde am 12.03.2011 vorläufig nach INES 3 eingestuft. Die Einstufung wurde am 18.03.2011 auf INES 5 erhöht.
Block 3
Bei Block 3 hat gegen 5:30 Uhr am 13.03.2011 das Notkühlsystem versagt. Es erfolgte eine Druckentlastung des Reaktordruckbehälters und boriertes Wasser wurde ab 13:12 Uhr am 13.03.2011 in den Reaktor gepumpt. Es erfolgte eine Einspeisung mit Meerwasser über Feuerlöschpumpen. Es wurde eine Druckentlastung des Sicherheitsbehälters durchgeführt.
Am 14.03.2011 kam es um 11 Uhr zu einer Wasserstoffexplosion im Block 3. Laut IAEA-Information ist das Containment nicht beschädigt worden. Laut TEPCO ist der Druck im Sicherheitsbehälter stabil.
Nach Angaben von NHK soll seit 8:30 Uhr, 16.03.2011, über Block 3 eine Dampffahne stehen. Nach NISA wird vermutet, dass das Containment doch beschädigt ist. Daher wurde das Personal aus der gemeinsamen Hauptwarte von Block 3 und 4 am 16.3.2011 um 10:45 Uhr evakuiert. Um 11:30 Uhr kehrten die Operateure zurück, um die Wassereinspeisung wieder aufzunehmen.
Die Brennstäbe im Reaktordruckbehälter liegen am 16.03.2011 ca. 2,30 m frei. Die Einspeisung von Meerwasser über das Feuerlöschsystem in den Reaktordruckbehälter wird laut Information der NISA vom 18.03.2011, 6:30 Uhr fortgesetzt.
Aktuelle Angaben zu physikalischen Werten wie zum Beispiel Druck und Temperatur siehe Tabelle in Kapitel 4.
Der Füllstand im BE-Lagerbecken von Block 3 ist niedrig (JAIF, 17.03.2011, 9:00 Uhr). Der Wasserstand im BE-Lagerbecken fällt (TEPCO um 18:00).
Es wurde versucht, am 16.03.2011 vom Hubschrauber aus Wasser ins BE-Lagerbecken zu schütten. Die Aktion wurde erfolglos wegen hoher Aktivität in der Umgebung abgebrochen. Das Militär hat begonnen, mit fünf Wasserwerfern Wasser in das BE-Lagerbecken einzufüllen. NHK berichtete am 17.03.2011, dass laut NISA 30t Wasser durch die Wasserwerfer des Militärs dem BE-Becken zugeführt wurden. Zum Einsatz von Wasserwerfern teilt die Behörde NISA mit, dass am 18.03.2011 mit 6 Armee-Wasserwerfern insgesamt ca. 50 Tonnen Wasser gegen 14:00 Uhr auf Block 3 gesprüht wurden. Außerdem wurde bis 14:45 Uhr ein Wasserwerfer der US-Army eingesetzt. Aus dem sichtbaren Dampf wurde geschlossen, dass Wasser in das BE-Legerbecken gelangt ist.
Nach NISA stieg der Containment-Druck am 20.03.2011 auf 320 kPa. Es wurden erfolgreich Maßnahmen zur Verringerung des Drucks ergriffen. Ein erneutes Venting war nicht erforderlich.
Gemäß NISA ist der Containment-Druck von 320 kPa (20.03.2011, 11 Uhr) über 160 kPa (21.03.2011, 4 Uhr) auf 120 kPa (21.03.2011 12:15 Uhr) gefallen. Am 20.03.2011 wurde gem. NISA von 21:39 Uhr bis 03:58 Uhr (21.03.2011) Wasser in das BE-Lagerbecken gesprüht.
Laut Pressemitteilung wurde gräulicher Qualm an Block 3 gesehen und Arbeiter mussten daraufhin vorrübergehend den Anlagenbereich verlassen (21.03.2011, 15:55 Uhr Ortszeit). Eine Explosion wurde nicht gehört. Die Rauchentwicklung hörte kurz nach 18 Uhr auf, der Grund für den Rauch ist jedoch unklar. Wesentliche Änderungen der Werte für den Druck im RDB, im Sicherheitsbehälter und für die Strahlung wurden nicht beobachtet.
Die Wiederaufnahme der Sprühung mit Wasserwerfern ist zunächst am Dienstag vorgesehen. Gemäß Angaben von NISA ist es unwahrscheinlich, dass der Rauch aus dem BE-Becken kommt, weil keine erhöhte ODL gemessen wurde. Da die Stromversorgung im Block 3 noch nicht hergestellt ist, kommt ein Kurzschluss als Ursache der Rauchentwicklung nicht in Frage.
Die Stromversorgung wird weiterhin vorbereitet, die Verkabelung wurde realisiert, weitere Vorbereitungen wurden jedoch auf Grund der Rauchentwicklung im Block 3 verschoben.
Gemäß JAIF vom 22.03.2011 16:00 Uhr wurde das Besprühen mit Wasserwerfern um 15:50 Uhr für 1 Stunde wieder aufgenommen. Die Gesamtzeit für das Sprühen beträgt somit ca. 20 Stunden.
Gemäß Angaben von JAIF und Kyodo soll am Mittwochnachmittag, den 23.03.2011, erneut Wasser auf den Block 3 gesprüht werden.
Für den 23.03.2011 sind von TEPCO Überprüfungen der Kühlpumpen im Block 3 angekündigt, um von Meerwassereinspeisung auf Frischwassereinspeisung umstellen zu können. Die Stromversorgung der Hauptwarte des Blocks wurde um 13:43 Uhr (23.03.2011) hergestellt.
Von 11:03 Uhr bis 13:20 Uhr am 23.03.2011 wurden 35 t Meerwasser über das Beckenkühl- und –Reinigungssystem in das BE-Becken des Blockes 3 gepumpt.
Um 16:20 Uhr (23.03.2011) trat leicht schwärzlicher Rauch aus dem Reaktorgebäude von Block 3 aus. Daraufhin wurde vorsorglich die Umgebung von Block 3 und 4 evakuiert. Sowohl die Messwerte vom Reaktordruckbehälter und vom Containment als auch die Strahlenmesswerte der Messsonden in unmittelbarer Umgebung des Kraftwerks zeigten hingegen keine signifikanten Änderungen.
Nach Ende des Rauchaustritts am 24.03.2011 gegen 04:50 Uhr wurde die Räumung des Anlagenbereiches zurückgenommen.
Von 05:35 Uhr bis 14:05 Uhr wurde Meerwasser in das BE-Lagerbecken mit dem Beckenkühl- und Reinigungssystem eingespeist.
Die Meerwassereinspeisung in den Reaktordruckbehälter wird fortgesetzt.
Am 24.03.11 wurden drei Arbeiter beim Kabellegen im Maschinenhaus bei Block 3 Strahlungsdosen von mehr als 170 mSv ausgesetzt. Bei zwei von ihnen wurde bestätigt, dass Haut an den Beinen kontaminiert wurde. Da auch nach der Dekontamination eine Verbrennungsverletzung durch Beta-Strahlen möglich erschien, wurden sie in ein Krankenhaus eingeliefert. Damit sind bislang 17 Arbeiter einer Strahlungsdosis von mehr als 100 mSv ausgesetzt worden.
Nach JAIF (25.03.2011, 10:00 Uhr) ist das Containment nicht beschädigt. TEPCO vermutet allerdings, dass Brennelemente im Reaktor oder im Brennelementlagerbecken beschädigt sind und stark kontaminiertes Wasser ins Maschinenhaus über ein Leck gelangt ist. Inzwischen sind Entwässerungsarbeiten im Maschinenhaus im Gange (25.03.11, 10:25 Uhr).
Die Meerwassereinspeisung in den Reaktordruckbehälter wird fortgesetzt.
INES-Einstufung der Behörde
Das Ereignis in Block 3 wurde von der Behörde am 18.03.2011 nach INES 5 eingestuft.
Block 4
Der Reaktorkern wurde während der Revision vollständig in das BE-Lagerbecken entladen. Im RDB befinden sich daher keine BE.
Im Block 4 kam es am 15.03.2011 gegen 6 Uhr zu einem Brand und zu einer Explosion im Reaktorgebäude im Bereich des BE-Lagerbeckens. Nach IAEA Angaben wurde bestätigt, dass der Brand gegen 11:14 Uhr gelöscht wurde. Beim Brand/Explosion sind zwei ca. 8 m2 große Löcher im Reaktorgebäude entstanden. Nach Informationen von TEPCO (nach Presseberichten) und NISA ist im Bereich des BE-Lagerbeckens um etwa 5:45 Uhr (16.03.2011) wieder ein Feuer ausgebrochen. Dabei ist auch das Dach der Reaktorhalle stark beschädigt worden. Der Fernsehsender NHK berichtete, dass nach Löschversuchen keine Flammen mehr zu sehen waren. Laut Presseangaben werden 2 Mitarbeiter seit Ausbruch des Feuers vermisst. Auf einem von TEPCO veröffentlichten Foto von Block 4 ist das ca. 8 m² große Loch in der Außenwand des Reaktorgebäudes zu erkennen. Die Außenhülle des Reaktorgebäudes ist auf der Seite zu Block 3 auch in Bodennähe stark beschädigt. Das Dach der Reaktorhalle ist beschädigt. Nach JAIF (12:30 Uhr) ist das Reaktorgebäude ebenfalls beschädigt.
Luftaufnahme des Reaktorblocks, eine Rauchwolke steigt auf
Foto der Anlage Fukushima Daiichi, Blöcke 1-4 (von rechts) vom 16.03.2011
Die Wassereinspeisung wurde am 16.3.2011 um 14:00 Uhr gestoppt (NISA). Zu diesem Zeitpunkt werden von IAEA keine Angaben zur Wassertemperatur im Brennelemente-Lagerbecken gemacht (letzte Angabe war vom 15.3. 19:00 Uhr).
Nach JAIF (Japan Atomic Industrial Forum) vom 17.03.2011 um 9:00 Uhr ist der Füllstand im BE-Lagerbecken von Block 4 niedrig. Laut Jiji meldet TEPCO um 18:00 Uhr, dass die Brennstäbe im BE-Lagerbecken teilweise mit Wasser bedeckt sind.
IAEA Daten zur Wassertemperatur im BE-Lagerbecken (Normalwerte unter 25 °C):
14.3.2011, 19:08 Uhr: 84 °C
15.3.2011, 19:00 Uhr: 84 °C
16.3.2011, 14:00 Uhr: keine Daten
19.3.2011 10:00 Uhr: keine Daten
23.3.2011, 12:00 Uhr: keine Daten
Am 21.03.2011 wurde lt. NISA von 06:37 Uhr bis 08:41 Uhr mit 13 Wasserwerfern Wasser in das BE-Lagerbecken gesprüht.
Die Stromversorgung wird weiterhin vorbereitet, die Verkabelung wurde realisiert (ca. 15 Uhr, 21.03.2011), weitere Vorbereitungen wurden jedoch auf Grund der Rauchentwicklung im Block 3 verschoben. Die Schaltanlagen wurden am 22.03.2011 um 10:35 Uhr angeschlossen.
Die Anzahl der Brennelemente im BE-Becken von Block 4 beträgt nach französischen Angaben 1500 BE, statt den bisher gemeldeten 1331 BE. Dieser Unterschied kann durch ca.200 bisher nicht mitgezählte, frische Brennelemente zu Stande kommen.
Seit 17:17 Uhr am 22.03.2011 wird mit einer sogenannte Autobetonpumpe Wasser (Kapazität der Autobetonpumpe: 50 t/h) in das BE-Lagerbecken eingespeist. Die Einspeisung wurde 20:30 Uhr, wie vorgesehen nach über 3 Stunden wieder beendet.
Gemäß JAIF wurde am 23.03.2011 um 10 Uhr erneut mit der Einspeisung per Autobetonpumpe in das BE-Becken begonnen.
Um 22:45 Uhr am 22.03.2011 wurde erste Verbraucher an das externe Stromnetz angeschlossen.
Auf Grund von schwarzem Rauch über Block 3 wurde die Umgebung um Block 3 und 4 evakuiert.
Von 10 Uhr bis 13:02 Uhr am 23.03.2011 wurde das BE-Becken mit der Autobetonpumpe mitca. 130 t befüllt.
NISA gibt eine Wassertemperatur von 100 °C im BE-Lagerbecken an (24.03.2011, 02:40 Uhr). Diese Angabe ist auf eine falsche Anzeige zurückzuführen. (24.03.2011, 11:00 Uhr)
Von 14:35 Uhr bis 17:30 Uhr (24.03.2011) wurde mit der Autobetonpumpe in das BE-Becken eingespeist.
Weißer Qualm steigt kontinuierlich auf (NISA, 25.03.2011, 06:20 Uhr). Von 06:05 Uhr bis 10:20 Uhr am 25.03.2011 wurde in das BE-Lagerbecken Meerwasser mit dem Beckenkühl- und Reinigungssystem eingespeist (NISA, TEPCO).
INES-Einstufung der Behörde
Das Ereignis in Block 4 wurde von der Behörde am 18.03.2011 nach INES 3 eingestuft.
Blöcke 5 und 6
Bei Block 5 wird von der IAEA berichtet, dass am 15.03.2011 um 21:00 Uhr (13 Uhr MEZ) der Wasserspiegel im BE-Lagerbecken auf 201 cm über den Brennelementen abgefallen war. Dies war ein Abfall von 40 cm seit 16 Uhr (8 Uhr MEZ). Es ist geplant, einen verfügbaren Notstromdieselgenerator des Blocks 6 zur Wassereinspeisung zu verwenden.
Nach JAIF (8:00 Uhr, 16.03.2011) sinkt in den BE-Lagerbecken beider Blöcke der Wasserstand ab. Um 14:00 Uhr gibt TEPCO eine Lagerbeckentemperatur von ca. 60 oC in beiden Blöcken an. Die BE-Lagerbeckentemperatur steigt.
Nach weiteren Quellen vom 16.03.2011 wird die Entlüftung des Reaktorgebäudes vorbereitet, um einer Wasserstoffexplosion vorzubeugen.
Am 17.03.2011, 17:30 Uhr teilt die NISA mit, dass inzwischen ein Notstromdieselgenerator in Block 6 die Energieversorgung für die Wassereinspeisung in die BE-Lagerbecken von Block 5 und 6 übernommen hat. Die Wassereinspeisung erfolgt über das Kondensatreinigungssystem. Nach Wiederherstellung des externen Netzanschlusses soll die Einspeisung in den RDB wieder aufgenommen werden.
Bis zum 19.03.11 wurden jeweils drei Öffnungen in den Dächern der Reaktorgebäude von Block 5 und 6 geschaffen um eine Wasserstoffansammlung zu verhindern.
Ein zweiter Notstromdiesel von Block 6 steht seit der Reparatur am 19.3.11 ab 4:22 Uhr zur Verfügung. Daraufhin konnte das Nachkühlsystem von Block 5 am 19.3.11 ab 5 Uhr und von Block 6 ab 22 Uhr zur Beckenkühlung in Betrieb genommen werden.
Der Zustand „kalt, unterkritisch“ wurde für Block 5 am 20.03.2011 um 14:30 Uhr und für Block 6 am 20.03.2011 um 19:27 Uhr erreicht.
Die Temperatur im BE-Becken betrug am 20.03.2011 um 16 Uhr 35,1 °C in Block 5 und 28,0 °C in Block 6. Die Temperatur im BE-Becken betrug am 21.03.2011 um 5 Uhr 39,5 °C für Block 5 und 32,0 °C für Block 6.
Die Stromversorgung von Block 5 wurde 11:36 Uhr am 21.03.2011 über Transformatoren auf externe Stromversorgung umgestellt. (IAEA/JAIF)
Eine provisorische Nebenkühlwasserpumpe für Block 5 wurde nach TEPCO bei der Umschaltung auf die externe Stromversorgung (23.03.2011, 17:24 Uhr) automatisch abgeschaltet. Eine Reparatur der Pumpe wird durchgeführt. Gegen 16:14 Uhr (24.03.2011) konnte diese Pumpe in Betrieb genommen werden und seit 16:35 Uhr wird der Reaktor mit Hilfe dieser Pumpe gekühlt.
IAEA Daten zur Wassertemperatur im BE-Lagerbecken Block 5 (Normalwerte unter 25 °C):
14.3.2011, 19:08 Uhr: 59,7 °C
15.3.2011, 19:00 Uhr: 60,4 °C
16.3.2011, 14:00 Uhr: 62,7 °C
17.03.2011, 03:00 Uhr: 64,2°C
17.03.2011, 18:00 Uhr: 65,5°C
19.03.2011, 06:00 Uhr: 68,8°C
20.03.2011, 16 Uhr: 35,1 °C
21.03.2011, 05 Uhr: 39,5 °C
22.03.2011, 11:00 Uhr: 37,5 °C
23.03.2011,12:00 Uhr: 39,0 °C
24.3.2011, 05:00 Uhr: 45,1 °C
24.3.2011, 17:00 Uhr: 49,0 °C
25.3.2011, 10:00 Uhr: 39,5 °C
IAEA Daten zur Wassertemperatur im BE-Becken Block 6 (Normalwerte unter 25 °C):
14.3.2011, 19:08 Uhr: 58,0 °C
15.3.2011, 19:00 Uhr: 58,5 °C
16.3.2011, 14:00 Uhr: 60,0 °C
17.03.2011, 03:00 Uhr: 62,5°C
17.03.2011, 18:00 Uhr: 62,0°C
19.03.2011, 06:00 Uhr: 66,5°C
20.03.2011, 16 Uhr: 28,0 °C
21.03.2011, 05 Uhr: 32,0 °C
22.03.2011, 11:00 Uhr: 25,0 °C
23.3.2011, 12:00 Uhr: 20,0 °C
24.3.2011, 05:00 Uhr: 23,5 °C
24.3.2011, 17:00 Uhr: 28,5 °C
25.3.2011, 10:00 Uhr: 19,5 °C
Aktuelle Angaben zu physikalischen Werten wie zum Beispiel Druck und Temperatur siehe Tabelle in Kapitel 4.

Zwischenlager am Standort Fukushima Daiichi

Nach Abschätzungen von IRSN sind ca. 6000 Brennelemente im Zwischenlagerbecken. Die Brennelemente sind schon länger abgeklungen als die Brennelemente in den BE-Lagerbecken der 6 Blöcke und produzieren deshalb eine geringere Nachwärme. Angaben über den Zustand der Kühlung liegen nicht vor.
Mit Stand vom 18.03.2011, 6:00 Uhr MEZ wird von der NISA angegeben, dass das Zwischenlagerbecken vollständig mit Wasser gefüllt ist. TEPCO bestätigt am 18.03.2011, 10:00 Uhr, dass der Wasserstand im Zwischenlagerbecken sichergestellt ist. Das Zwischenlagerbecken soll noch eingehend untersucht werden.
Das Trockenlager wurde am 17.03.2011 einer Sichtprüfung unterzogen. Hierbei wurden keine Abweichungen von Normalzustand festgestellt. Eine Inspektion des Trockenlagers wird vorbereitet.
NISA berichtet, dass die Wassertemperatur im Lagerbecken 55 °C ist (Stand 18.03.20011, 11:19 Uhr). Die Wasserbeckentemperatur hatte am 19.03.2011 um 09:00 Uhr 57 °C erreicht. Wasser wurde am 21.03.2011 von 10:37 Uhr bis 15:30 Uhr dem Zwischenlager eingespeist. Die Wasserbeckentemperatur betrug am 21.03.2011 um 16:30 Uhr 61 °C
Um 15:37 Uhr (24.03.2011) wurde das Zwischenlager auf externe Stromversorgung umgestellt und anschließend der Kühlbetrieb aufgenommen (24.03.11, 18:05 Uhr).

Fukushima Daini

Ein kleinerer Brand im Hilfsanlagengebäude Block 1 wurde innerhalb von 2 Stunden gelöscht (Quelle: European Clearinghouse).
Eine Nachwärmeabfuhr aus der Kondensationskammer war bei den Blöcken 1, 2 und 4 zunächst nicht möglich. In den Blöcken 1, 2 und 4 wurde die Kondensationskammertemperatur von 100°C überschritten. Zu Block 3 gibt es keine Angaben hierzu. Es wird berichtet, dass Block 3 am 12.03.2011 einen kalten unterkritischen Zustand erreicht hat.
Der Füllstand in den Reaktordruckbehältern in den vier Blöcken fiel nicht. Die Stromversorgung aus einem externen Netz in diesen Blöcken ist vorhanden.
Eine Druckentlastung des Containments wurde nach TEPCO-Informationen für alle 4 Blöcke vorbereitet. Sie wurde allerdings nicht durchgeführt.
Nach Reparatur der durch Meerwasser überschwemmten Nebenkühlwasserpumpen hatten am 14.03.2011 alle Blöcke den Zustand unterkritisch kalt erreicht.
Nach Betreiberinformationen wurde das Nachkühlsystem am 15.3.2011 für ca. 1 Stunde abgeschaltet. Es war danach wieder aktiv.
INES-Einstufung der Behörde
Das Ereignis in Block 1 wurde von der Behörde am 12.03.2011 nach INES 3 eingestuft.
Das Ereignis in Block 2 wurde von der Behörde am 18.03.2011 nach INES 3 eingestuft.
Das Ereignis in Block 4 wurde von der Behörde am 18.03.2011 nach INES 3 eingestuft.

Onagawa und Tokai

Die Standorte Onagawa und Tokai haben nach derzeitigen Informationen keine akuten sicherheitstechnischen Probleme. In der Anlage Onagawa wurde in der Turbinenhalle ein Brand detektiert und gelöscht. Alle 3 Anlagen von Onagawa sind im Zustand abgeschaltet und kalt. Die Anlage wird derzeit überprüft.
Nach Presseangaben seien in der Anlage Tokai zwei Dieselgeneratoren ausgefallen, ein Dieselgenerator sei funktionsfähig. Von zwei Pumpen zur Kühlung stehe eine nicht zur Verfügung. TEPCO (17.03.2011, 16:00 Uhr) teilt mit, dass eine externe Netzversorgung am 13.03.2011 hergestellt worden ist. Die Kernkühlung ist seit diesem Zeitpunkt in Betrieb.

Radiologische Situation

Radiologische Situation an den Standorten Daiichi und Daini

Radiologische Situation am Standort Daiichi
Am 12.03.2011 zwischen 04:00 und 04:40 Uhr wurde nach Berichten des Betreibers und der Aufsichtsbehörde NISA an zwei Messpunkten in der Nähe des Werkstores von Daiichi ein Anstieg der Ortsdosisleistung (ODL) von Hintergrundwerten (ca. 70 nSv/h) zunächst auf das mehr als 10fache (ca. 0,9 µSv/h um 04:40 Uhr) und bis auf etwa 5 µSv/h um ca. 06:30 Uhr festgestellt. Der Anstieg könnte evtl. für Druckentlastungs-Beginn des Containments zu diesem Zeitpunkt sprechen, allerdings gibt es hierfür keine Bestätigung.
Nach weiteren Informationen der NISA stiegen bis zur Explosion im Reaktorgebäude um 15:36 Uhr am 12.03.2011 Ortszeit (Japan) im Verlaufe der Druckentlastung des Containments die Messwerte der Ortsdosisleistungen (ODL) in der Umgebung der Anlage Fukushima Daiichi Unit 1 auf etwa 1000 µSv/h an. Innerhalb von ca. 3 h nach der Explosion fielen die Messwerte der Ortsdosisleistungen (ODL) in der Umgebung der Anlage auf ~70 µSv/h ab. Nach Angaben der Behörde (nach Presseagentur Kyodo) wurden um 11:13 Uhr am 13.03.2011 wieder ODL über 1200 µSv/h in der Umgebung vom Block 1 gemessen. Gegen 14:00 Uhr wurde ein Anstieg der Messwerte von TEPCO auf Werte bis zu 900 µSv/h beobachtet. Danach fielen die Werte wieder unter 100 µSv/h. Am 15.03.2011 wurde um 10:20 Uhr Ortsdosisleistungen von 400000 µSv/h in der Nähe von Block 3, von 100000 µSv/h in der Umgebung von Block 4 und von 30000 µSv/h zwischen Block 2 und 3 gemessen.
Abbildung 1 zeigt Messdaten zu am Standort Fukushima I (Daiichi) ermittelten Ortsdosisleistungen an verschiedenen Messpunkten im Zeitraum 12.3.2011, 10:00 Uhr bis 25.03.2011, 21:00 Uhr, zuletzt für den Messpunkt Haupttor.
Die Messwerte zeigen insgesamt unstetige Verläufe mit Werten zwischen 60 nSv/h (Hintergrundstrahlung) bis etwa 12000 µSv/h. Einigen der Maximalwerte können bestätigten Maßnahmen auf der Anlage (z.B. Druckentlastungen) zugeordnet werden, insbesondere die Druckentlastung zum Block 2 am 14.03.2011 zwischen 21:20 Uhr und 23:00 Uhr und dem Brand am BE-Lagerbecken in Block 4 vom 15.03.2011. Die Daten zum Brand am BE-Lagerbecken zeigen einen exponentiellen Abfall. Dieser könnte durch am Boden abgelagerte kurzlebige radioaktive Stoffe hervorgerufen werden.
Nach Informationen des Betreibers wurde die Messstelle MP 1 am 13.3.2011 gegen 20:10 Uhr auf die Lage des MP 2 verlegt. Diese befindet sich in der Nähe des Blocks 1. An dieser Stelle werden Werte zwischen 400 und 500 µSv/h ermittelt. Daten zu den Messpunkten MP3 und MP4 liegen seit 14.03.2011 ca. 15:30 Uhr nicht vor. Die von der Behörde (NISA) mitgeteilten Ortsdosisleistungswerte zum Zeitpunkt der Explosion im Block 1 sind in den verfügbaren Daten des Betreibers nicht enthalten. Am 15.03.2011 nach ca. 6:20 Uhr steigen die Werte am Messpunkt Haupttor bis auf ein Maximum von ca. 12000 µSv/h gegen 09:00 Uhr an. Vermutlich steht dieser Anstieg mit dem Brand im BE-Lagerbecken von Block 4 in Verbindung. Nach 09:00 Uhr gehen die Werte wieder zurück. Dieser Rückgang setzt sich bis 18:00 Uhr auf ein Niveau von ca. 450 µSv/h fort. Die vorliegenden Daten vom Betreiber am Messpunkt Haupttor zeigen erneute Anstiege gegen 23:00 Uhr auf bis zu 8000 µSv/h um 23:00 Uhr (15.03.2011) und gegen 11:00 Uhr (16.03.2011) mit einem Maximum von 10850 µSv/h um 12:30 Uhr. Die Ortsdosisleistung sinkt bis zum 16.03.2011 15:50 Uhr ab, über die weitere Entwicklung der Ortsdosisleistungen am Haupttor ist wegen fehlender Daten bis zum 17.03.2011, 10:50 nicht möglich. Für die zwei übermittelten Werte am 17.03.2011 um 11:00 Uhr und 11:10 Uhr liegt die Ortsdosisleistung bei etwa 650 µSv.
Auch Messdaten am 18.03.2011 zeigen für den Messpunkt Westtor ein gleichbleibendes ODL-Niveau vormittags bis etwa 260 µSv/h und am Abend zwischen 20:10 und 23:20 Uhr Werte im Bereich von 370 – 450 µSv/h. Am 19.03.2011 zwischen 08:00 Uhr und 10:00 Uhr sind zwei kurzfristige Anstiege auf ca.830 µSv/h und 660 µSv/h zu verzeichnen. Bis 11:30 Uhr gehen die Werte auf etwa 315 µSv/h zurück. Für den Messpunkt Hauptgebäude zeigen die vorliegenden Daten zwischen 13:50 Uhr (18.03.2011) und 01:40 Uhr (19.03.2011) einen Anstieg von etwa 3400 µSv/h auf etwa 5000 µSv/h mit einem späteren Abfall wieder auf 3200 µSv/h. Die vorliegenden Daten für den 19.03.2011 ab 11:40 Uhr beginnen mit einem erneut höheren Wert von etwa 4000 µSv/h, gefolgt mit einem Abfall auf etwa 2800 µSv/h. Gründe für die zwischenzeitlichen Anstiege an beiden Messpunkten sind derzeit nicht bekannt.
Auch am 20.03.2011 und bis zum Nachmittag des 21.03. standen am Standort Daiichi Messwerte vom Hauptgebäude und vereinzelt vom Westtor zur Verfügung. Ab ca. 13:00 Uhr ist am 20.03 ein Anstieg der ODL am Hauptgebäude von ca. 2600 µSv/h auf etwa 3300 µSv/h festzustellen mit nachfolgender Abnahme der Dosisleistung bis auf Werte um 2000 µSv/h am 21.03.2011 16:30 Uhr.
Abgesehen von einem Messwert von etwa 1300 µSv/h für den Messpunkt MP 7, der bisher nicht in den verfügbaren Daten enthalten war, liegen Messwerte ab 16:42 Uhr am 21.03.2011 nur vom Haupttor vor. Mit einem ersten Messwert von 1100 µSv/h ändert sich die Ortsdosisleistung bis 17:40 Uhr auf etwa 500 µSv/h, gefolgt von einem erneuten Anstieg mit einem Maximum von etwa 1900 µSv/h um 18:30 Uhr und einer nachfolgenden Abnahme bis auf Werte um 400 µSv/h um 21:00 Uhr.
Die Abnahme der ODL-Messwerte am Haupttor setzte sich auch im Verlauf des 22.03.2011 bis ca. 13:00 Uhr auf etwa 260 µSv/h fort. Am späten Nachmittag und frühen Abend (zwischen 16:30 und 20:00) zeigt sich am Haupttor ein unregelmäßiger Verlauf mit mehreren Spitzen zwischen 325 µSv/h und 473 µSv/h, unterbrochen von Rückgängen auf Werte um 250-280 µSv/h. Im weiteren Verlauf blieb die Ortsdosisleistung am Haupttor für den 23.03.2011 bis 14:00 Uhr weitgehend konstant mit Werten um 225 µSv/h; bis zum 24.03.2011 21:00 Uhr sank der Messwert der ODL auf ca. 200 µSv/h. Am 24.03.2011 gegen 14:20 Uhr wurden Messungen mit einem Maximalwert von 435 µSv/h an einem neuen Messpunkt „Erdbebensicheres Gebäude“ (Earthquake Isolating Building) durchgeführt; der Messpunkt befindet sich in einer Entfernung von etwa 0,5 km in nordwestlicher Richtung vom Block 2.
Am 25.03.2011 zeigte sich am Messpunkt Haupttor gegen 10:30 Uhr ein Anstieg der ODL auf 540 µSv/h, bis 15:30 Uhr gingen die Messwerte auf ca. 205 µSv/h zurück. Gegen 19:10 ist ein weiterer, geringerer Anstieg auf Werte um 260 µSv/h zu verzeichnen, der bis 21:00 ebenfalls auf 205 µSv/h zurückgeht.
NISA hat bestätigt, dass Cäsium-137 und Jod-131 in der Nähe der Anlage Fukushima Daiichi Block 1 festgestellt wurde. Die GRS geht davon aus, dass radioaktive Stoffe in das Containment freigesetzt wurden und in diesem größtenteils zurückgehalten wurden. Auch der Betreiber bestätigt am 18.03.2011 in einer Pressemitteilung, dass innerhalb des Anlagengeländes radioaktive Stoffe (z. B. Jod) gemessen wurden und dass mit zunehmender Zeit die gemessenen Aktivitäten die natürliche Untergrundstrahlung übersteigen. Darüber hinaus wurde inzwischen in verschiedenen Präfekturen Cäsium-137 und Jod-131 als Oberflächenkontamination nachgewiesen.
Am 17.03.2011 wurden um ca. 10:00 Uhr Messungen der Ortsdosisleistung bei einem Hubschrauberüberflug über die Anlage durchgeführt. In etwa 300 m Höhe über Grund (240 m über Dachniveau der Reaktorblöcke) wurde eine Ortsdosisleistung von 4,13 mSv/h festgestellt, in ca. 100 m Höhe über Grund (40 m über Dachniveau) betrug die Ortsdosisleistung 87,7 mSv/h. Die Werte sind verträglich mit der Hypothese, dass die ODL durch Direktstrahlung, die von offen liegendem Kernmaterial ausgeht, verursacht wird. Nach aktuellen Pressemitteilungen erfolgten am 17.03.2011 insgesamt 4 Hubschrauberflüge in einer Höhe von weniger als 100 m Höhe über Grund. Ebenfalls am 17.03.2011 gegen 10:00 Uhr wurden nach Angaben des Betreibers ODL von 400 mSv/h an der landwärtigen Seite von Block 3 und 100 mSv/h an der landwärtigen Seite von Block 4 gemessen. Aktuellere Messwerte sind derzeit nicht bekannt.
Nach Angaben von TEPCO wurde am 21. und 22.03.2011 bei der Analyse einer Probenahme von Meerwasser, welche in der Nähe des südlichen Auslaufkanals am Standort Fukushima Daiichi genommen wurde, Kobalt, Jod und Cäsium detektiert.
Der Betreiber meldet, dass am 22.03.2011 am Standort Daiichi am Haupttor Iod, Cäsium und Tellur in der Luft nachgewiesen wurde. Darüber hinaus wurde am 23.03.2011 Kobalt und Cer detektiert. Die Messwerte zeigen Werte für Jod-131 von 2,2E-03 Bq/cm3 (22.03.) und 6,7E-04 Bq/cm3 (23.03) sowie für Cs-137 von 1,9E-05 Bq/cm3 (22.03.) und 1,3E-05 Bq/cm3 (23.03.).
Radiologische Situation am Standort Danii
Am Standort Daini liegen Messwerte der ODL vom 13.03.2011 morgens bis zum 25.03.2011 21:00 Uhr vor und sind in Abbildung 2 dargestellt. Dort ist am 14.03.2011 ab 22:00 Uhr am Messpunkt 4 ein Anstieg bis auf ca. 920 µSv/h um 03:10 bzw. 03:50 Uhr am 15.03.2011 mit einem anschließenden Rückgang bis auf Werte um ca. 10 µSv/h bis 18:00 Uhr zu verzeichnen. Die Messwerte dieses Peaks zwischen 03:10 bzw. 03:50 Uhr wurden seitens des Betreibers später (16.03.2011) auf ca. 92 µSv/h nach unten korrigiert.
Am 16.03.2011 gegen 02:10 Uhr ist ein erneuter Anstieg zu verzeichnen mit einem Maximum von 39 µSv/h um 02:20 Uhr, gefolgt von einem Abfall auf 18 µSv/h um 09:00 Uhr und einem erneuten Maximum von 31 µSv/h um 11:10 Uhr. Die erhöhten Werte stehen vermutlich mit einem Transport von radioaktiven Stoffen aus Daiichi in Zusammenhang. Am 20.03.2011 um 19:00 Uhr liegen die Werte erneut bei etwa 11 µSv/h nach einem kurzen Anstieg um 05:50 Uhr auf ca. 19 µSv/h. In den Morgenstunden des 21.03.2011 stiegen die Werte erneut kurzfristig bis auf ca. 28 µSv/h an und gingen anschließend im weiteren Verlauf bis zum 22.03.2011 12:00 Uhr auf etwa 12 µSv/h zurück. Gegen 14:20 Uhr stieg die ODL am Standort Daini erneut kurzzeitig auf ca. 36 µSv/h an, gefolgt von einem Abfall auf etwa 12 µSv/h bis 24:00. Die für den 23.03.2011 vorliegenden Daten zeigen nahezu konstante Werte zwischen 11 und 13 µSv/h. Am 24.03.2011 zeigen die Messwerte weiterhin einen leicht rückläufigen Verlauf und lagen gegen Abend bei etwa 9 µSv/h. Die vorliegenden Messwerte des 25.03.2011 bis 15:00 Uhr zeigen ODL-Messwerte zwischen 9 und 14 µSv/h.
Nach Angaben von TEPCO wurde am 21.03.2011 gegen 11:00 und 18:00 am Standort Daini Iod und Cäsium in der Luft nachgewiesen. Die Messwerte zeigen Werte für Jod-131 von 2,25E-04 Bq/cm3 (11:00) und 1,58E-04 Bq/cm3 (18:00) sowie für Cs-137 von 4,71E-05 Bq/cm3 (11:00) und 3,31E-05 Bq/cm3 (18:00). Bei den zuletzt vorliegenden Messungen vom Nachmittag des 23.03.2011 lagen die Messwerte von Jod-131 bei 2,1E-04 Bq/cm3 und von Cs-137 bei 1,7E-05 Bq/cm3.

Radiologische Situation in der Umgebung

In der Präfektur Fukushima liegen verschiedene Messwerte vor. Nach Angaben des „Disaster Provision Main Office“ betragen die Messwerte am Nachmittag des 22.03.2011 zwischen 0,5 und 15,3 µSv/h. Am 23.03.2011 gegen 16:00 Uhr lag der Maximalwert bei 13,8 µSv/h und gegen Mittag des 24.03.2011 bei 12,2 µSv/h. Drei Messwerte im Nordwesten am Rand der 30 km-Zone zeigen am 22.03.2011 gegen Mittag Werte zwischen 23 und 75 µSv/h, an diesen Messpunkten wurden am 17.03.2011 Werte bis zu 170 µSv/h gemessen. Gegen Mittag des 23.03.2011 lag der Maximalwert der Messungen unverändert bei 75 µSv/h. Am 24.03. und 25.03.2011 lag der Messwert an diesem Messpunkt bei 65 µSv/h.
In der Nachbarprovinz Ibaraki wurden durch das nationale ODL-Messnetz erhöhte ODL-Werte festgestellt, die vermutlich durch radioaktive Stoffe verursacht werden, die mit den Emissionen am 15. und 16.03.2011 abgelagert worden sind. Nach Abnahme der ODL in den letzten Tagen liegen am 20.03.2011 0:00 Uhr die ermittelten Dosiswerte für die betrachteten Messpunkte (Abb. 3) zwischen 0,1 µSv/h und 0,6 µSv/h. Am 20.03.2011 ist zwischen etwa 11:00 und 12:00 Uhr ein Anstieg der ODL zu verzeichnen, dem sich ein erneuter Abfall anschließt. In Horiguchi Hitachinaka City betrug der Wert etwa 900 nSv/h. In den Morgenstunden des 21.03. steigen die Messwerte mit Ankunft eines Niederschlagsgebietes stark an. Als Maximalwerte wurden knapp 3 µSv/h an der Station Momiyama Hokuta City, etwa 140 km südlich von Fukushima Daiichi, erreicht. Die Werte an dieser Station lagen am 21.03 um ca. 10:00 Uhr zwischen 1100 nSv/h und 1150 nSv/h. Mit der anhaltenden nördlichen Strömung und weiteren Niederschlägen ergab sich im weiteren Verlauf an mehreren Stationen in der Präfektur Ibaraki ein unregelmäßiger Verlauf mit einigen Spitzen bis 1350 nSv/h. Aktuell liegen die Werte in Momiyama Hokuta City bei etwa 800 nSv/h.
Die mit dem Niederschlag verbundene Erhöhung der ODL ist bis in die Präfektur Kanagawa südlich von Tokio mit Werten bis zu 0,20 µSv/h am Abend des 22.03.2011 messbar. Aktuell liegt der maximal gemessene Wert in dieser Präfektur bei etwa 0,150 nSv/h.
Die Abbildung 3 zeigt eine Übersicht zu ODL-Messungen aus verschiedenen Präfekturen der Insel Honshu. Außerhalb der bereits genannten Präfekturen liegen die aktuellen Messwerte auf Hintergrundniveau. Allerdings liegen der GRS keine Daten aus der Präfektur Miyagi vor, die nördlich von Fukushima liegt und vom Erdbeben besonders stark betroffen ist.

Meteorologische Situation

Nach Aussagen des Deutschen Wetterdienstes herrschte in der ersten Tageshälfte des 15.03.2011 mit dem Durchgang eines schwachen Tiefdruckgebietes mit Kern südöstlich der japanischen Küste eine Strömung vor, die die freigesetzten radioaktiven Stoffe mit schwachen Winden in Richtung Südwesten entlang der Küste transportierte. In der zweiten Tageshälfte dominierten nach Stationsbeobachtungen schwache umlaufende Winde. In der Nacht zum 16.03.2011 frischte der Wind aus nordwestlicher Richtung auf, so dass in dieser Zeit ein Transport von am Standort Fukushima freigesetzten luftgetragenen Stoffen in östliche Richtungen stattfand. Messdaten aus der im Süden an Fukushima angrenzenden Präfektur Ibaraki zeigten am Nachmittag des 17.03.2011 vorherrschende Nord- bis Nordwestwinde bei Windgeschwindigkeiten zwischen 3 und 7 m/s. Am 18.03.2011 zeigten die Stationen in dieser Region entweder schwache Winde aus nördlichen Richtungen oder eine etwas stärkere Strömung aus süd- bis südwestlichen Richtungen. Diese Beobachtung bestätigen auch Meldungen des Deutschen Wetterdienstes. Mit dem zeitweisen Umschwenken auf südliche Richtungen war vorübergehend ein Transport potenzieller Freisetzungen aus der Anlage in nördliche Landesteile möglich.
Am 19.03.2011 herrschte in der Region Hochdruckeinfluss mit einer übergeordneten schwachen westlichen Strömung vor, die offenbar von lokalen Zirkulationsmustern überlagert sind. So zeigten die Wetterstationen in der Präfektur Ibaraki über den Tag vorherrschende Windrichtungen um Ost bei schwachen Windstärken, die mit der Ausbildung nachmittäglichen Land-Seewind-Zirkulation zusammenhängen könnten.
Im Laufe des 20.03.2011 schwenkten mit Ausbildung einer Tiefdruckrinne über Japan die vorherrschenden Windrichtungen auf Nord bis Nordost um. In Verbindung mit einer Wellenstörung zog ein umfangreiches Niederschlagsgebiet über Honshu, dass zunächst die südwestlichen Präfekturen und in den frühen Morgenstunden des 21.03.2011 auch die Präfekturen Fukushima und Ibaraki erfasste. Am Nachmittag ließ der Niederschlag in diesen Regionen bereits nach. In Folge kam es jedoch auch am 22.03.2011 bei anhaltender Nordströmung zu weiteren Niederschlägen, da sich die Tiefdruckrinne langsamer als zunächst prognostiziert nach Osten verlagert.
Am 23.03.2011 herrschten in der Region im rückwärtigen Bereich der sich abschwächenden Tiefdruckrinne östlich von Japan noch nördliche Winde vor, die im Laufe der zweiten Tageshälfte abflauten. Am 24.03. war die Situation von schwachen Luftdruckgegensätzen über Japan geprägt. In Fukushima und den Nachbarpräfekturen wurden überwiegend schwache Winde aus südlichen und südöstlichen Richtungen gemeldet, so dass zunächst potenzielle Emissionen vom Standort in nördliche Landesteile transportiert werden konnten. Am Freitag zieht ein Tief über die Japanische Hauptinsel. Laut DWD wird erwartet, dass sich dieses Tief bereits bis zum Samstag in den Pazifik verlagert. Auf der Rückseite des Tiefs drehen bodennahe Strömungen auf Nordwest. Potenzielle Emissionen werden dann auf den Pazifik transportiert und können dort durch Niederschläge ausgewaschen werden. Für Sonntag sagt der DWD die Ausweitung eines Hochs vom asiatischen Kontinent nach Japan voraus. Die bodennahen Strömungen behalten ihre Richtung, schwächen aber ab. Für Montag werden Windrichtungen Nord-Nordwest bis Nord erwartet.

Getroffene Maßnahmen

Im Evakuierungsradius um Daiichi (20 km) und um Daini (10 km) sind zusammen etwa 210.000 Menschen evakuiert worden.
Um die Evakuierungszone wurde bis zu einem Radius von 30 km um Daiichi der Aufenthalt in Gebäuden empfohlen. Zudem wurde nach Angaben der IAEA eine Flugverbotszone im Radius von 30 km um die Anlage eingerichtet. Die japanische Küstenwache hat nach Angaben derIAEA für die küstennahen Gewässer Räumungsanordnungen in einem Umkreis von 10 km um Daiichi und 3 km um Daini ausgesprochen. Nach aktuellen Informationen wurden die Zonen bis 20 km evakuiert, für die darüber hinausgehende 30 km Zone wurden Verhaltensregeln zum Verbleib in den Häuser gegeben.
Als weitere Maßnahme wurden am 16. März 2011 lokale Behörden angewiesen, Menschen, die aus der 20 km-Evakuierungszone kommen, Jodpräparate mit stabilem Jod einnehmen zu lassen um die Aufnahme von radioaktivem Jod zu unterbinden.

Nahrungsmittel

Nach Berichten der IAEA vom 19.03.2011 wurde von japanischen Behörden radioaktives Jod in Lebensmitteln (Milch) in der Präfektur Fukushima in der Umgebung der Anlage Daiichi sowie bei Gemüse in Ibaraki gemessen. Die Messungen wurden zwischen dem 16. und 18. März 2011 durchgeführt. Dabei wurden Grenzwertüberschreitungen festgestellt. In den Rohmilchproben wurden am 16.03. bis zu 1510 Bq/kg festgestellt, was einer fünffachen Überschreitung des japanischen Höchstwertes für das Inverkehrbringen entspricht. Es wurde ein Verkaufsverbot für die kontaminierten Produkte ausgesprochen.
Laut Pressemeldungen mit Bezug auf den Regierungssprecher vom 20.03.2011 wurde darüber hinaus in der Stadt Hitachi in der Präfektur Ibaraki Kontaminationen von Spinat mit Cs-137 und Jod-131 gefunden, die oberhalb der zulässigen Grenzwerte von 500 bzw. 2000 Bq/kg liegen. Ebenso wurde Milch mit Jod-Kontaminationen gefunden in einer Stadt 35 km nordwestlich von Fukushima Daiichi. Ebenfalls wurde über Kontaminationen des Trinkwassers in 4 Städten berichtet, die bei 1- 2 % der zulässigen Werte lagen.
Vorliegende Daten vom 20.03.2011, die allerdings nicht die Provinzen Miyagi und Fukushima berücksichtigen, zeigen Kontaminationen im Trinkwasser mit Jod-131 in neun Provinzen und mit Cäsium-137 in drei Provinzen. Für die Provinz Ibaraki liegt die Kontamination von Iod-131 bei 3 – 4 % des zulässigen Wertes. In der Präfektur Fukushima wurden laut Pressemeldungen vom 20.03.2011 maximal 10 % des zulässigen Wertes gemessen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ist am 19.03.2011 ein Wert oberhalb des zulässigen Wertes aufgetreten.
Laut Pressemeldungen hat die Regierung die Präfekturen Fukushima, Ibaraki, Tochigi und Gunma angewiesen, keine Rohmilch, Spinat und ein weiteres Blattgemüse (Kakina) aus den Präfekturen in Verkehr zu bringen, nachdem in einzelnen Proben Kontaminationen mit radioaktiven Stoffen oberhalb der zulässigen Werte gefunden wurden. Laut Regierungssprecher Edano vom 20.03.2011 ist ein Bericht zur Untersuchung von Lebensmitteln in Vorbereitung, der vom Ministerium für Gesundheit noch am 20.03.2011 veröffentlicht werden soll, der GRS aber derzeit nicht vorliegt.
Laut Bericht der WHO vom 21.03.2011 wurden Messungen von Nahrungsmitteln aus Gunma, Fukushima, Chiba, Ibaraki, Saitma, Tochigi und Tokio ausgewertet. Dabei überschritten 27 Proben den provisorischen Regelungswert (provisional regulation value) für Jod-131 von 300 Bq/kg für Milch bzw. 2000 Bq/kg für Gemüse. 12 Proben überschritten den provisorischen Regelungswert (provisional regulation value) für Cäsium von 200 Bq/kg für Milch bzw. 500 Bq/kg für Gemüse. Es wurden Maßnahmen ergriffen, um die Verbreitung und den Verkauf dieser Produkte zu unterbinden. Die Präfektur Fukushima hat die Einwohner gebeten, keine Erzeugnisse aus einem Umkreis von 30 km zu verzehren. Spinat aus der Präfektur Ibaraki soll nicht mehr verkauft werden.
In einer Trinkwasserprobe aus Litatemura wurden am 20.03.2011 965 Bq/kg gemessen (der Richtwert in Japan beträgt 300 Bq/kg). Den Einwohnern wurde empfohlen, das Leitungswasser nicht zu trinken. Die Präfektur Fukushima bereitet die Ausgabe von Wasserflaschen für die etwa 4000 Einwohner vor. In Kawamata am 17.03.2011 wurden in Leitungswasser 308 Bq/kg Jod-131 gemessen. Dieser Wert ging bis zum 19.03.2011 auf 123 Bq/kg zurück.
Laut einer Pressemitteilung des japanischen Gesundheitsministeriums vom 23.03.2011 wurde für die Präfektur Fukushima ein Verkaufs- und Verzehrverbot für verschiedene Gemüsesorten aus der Präfektur und für die Präfektur Ibaraki ein Verkaufsverbot für frische Rohmilch und Kräuter aus der Präfektur erlassen.

Abbildung 1: an ausgewählten Messpunkten Fukushima Daiichi – Daten des Betreibers TEPCO

(Quelle: GRS, alle Angaben in Ortszeit)

Abbildung 2: Gemessene Dosisleistungen an ausgewählten Messpunkten Fukushima Daini – Daten des Betreibers TEPCO

(Quelle: GRS, alle Angaben in Ortszeit)

Abbildung 3: Übersicht zu ODL-Messungen aus verschiedenen Präfekturen der Insel Honshu

(Quelle: GRS, alle Angaben in Ortszeit)

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