Aktuelle Radiologische Situation

Am 12.3. zwischen 04:00 und 04:40 Uhr Ortszeit wurde nach Berichten des Betreibers und der Aufsichtsbehörde NISA an zwei Messpunkten in der Nähe des Werkstores von Daiichi ein Anstieg der Ortsdosisleistung von Hintergrundwerten (ca. 70 nSv/h) zunächst auf das mehr als 10 fache (ca. 0.9 μSv/h um 04:40 Uhr) und bis auf etwa 5 μSv/h um ca. 06:30 Uhr Ortszeit festgestellt. Der Anstieg könnte evtl. für Druckentlastungs-Beginn des Containments zu diesem Zeitpunkt sprechen, allerdings gibt es hierfür keine Bestätigung.
Nach weiteren Informationen der NISA stiegen bis zur Explosion im Reaktorgebäude um 15:36 Uhr am 12.03.2011 Ortszeit (Japan) im Verlaufe der Druckentlastung des Containments die Messwerte der Ortsdosisleistungen (ODL) in der Umgebung der Anlage Fukushima Daiichi Unit 1 auf etwa 1000 μSv/h an. Innerhalb von ca. 3 h nach der Explosion fielen die Messwerte der Ortsdosisleistungen (ODL) in der Umgebung der Anlage auf ~70 μSv/h ab. Nach Angaben von TEPCO stiegen die ODL bis um 8:00 Uhr Ortszeit am 13.03. auf maximal 8,5 μSv/h an. Vermutlich im Zusammenhang mit der Druckentlastung von Block 3 stiegen die Messwerte am Haupteingang zwischen 9:00 Uhr und 9:30 Ortszeit bis auf ca. 280 μSv/h an. Um 10 Uhr Ortszeit sanken die Messwerte an dieser Messstelle wieder unter 10 μSv/h.

Nach Angaben der Behörde (nach Presseagentur Kyodo) wurden um 11:13 Uhr (Ortszeit) am 13.03. wieder ODL über 1200 μSv/h in der Umgebung vom Block 1 gemessen. Gegen 14:00 Uhr (Ortszeit) wurde ein Anstieg der Messwerte von TEPCO auf Werte bis zu 900 μSv/h beobachtet. Danach fielen die Werte wieder unter 100 μSv/h. Am 15.03.2011 wurde um 10:20 Uhr Ortszeit Ortsdosisleistungen von 400000 μSv/h in der Nähe von Block 3, von 100000 μSv/h in der Umgebung von Block 4 und von 30000 μSv/h zwischen Block 2 und 3 gemessen.
NISA hat bestätigt, dass Cäsium-137 und Jod-131 in der Nähe der Anlage Fukushima Daiichi Block 1 festgestellt wurde. Die GRS geht davon aus, dass radioaktive Stoffe in das Containment freigesetzt wurden und in diesem größtenteils zurückgehalten wurden.
Im Evakuierungsradius um Daiichi (20 km) und um Daini (10 km) sind zusammen etwa 210.000 Menschen evakuiert worden.
Um die Evakuierungszone wurde bis zu einem Radius von 30 km um Daiichi der Aufenthalt in Gebäuden empfohlen. Zudem wurde nach Angaben der IAEA eine Flugverbotszone im Radius von 30 km um die Anlage eingerichtet. Die japanische Küstenwache hat nach Angaben derIAEA für die küstennahen Gewässer Räumungsanordungen in einem Umkreis von 10 km um Daiichi und 3 km um Daiini ausgesprochen.
Nach Aussagen des Deutschen Wetterdienstes herrschte in der ersten Tageshälfte des 15.3.2011mit dem Durchgang eines schwachen Tiefdruckgebietes mit Kern südöstlich der japanischen Küste eine Strömung vor, die die freigesetzten radioaktiven Stoffe mit schwachen Winden in Richtung Südwesten entlang der Küste transportierte. In der zweiten Tageshälfte dominierten nach Stationsbeobachtungen schwache umlaufende Winde. In der Nacht frischte der Wind aus nordwestlicher Richtung auf, so dass jetzt wieder ein Transport von am Standort Fukushima freigesetzten luftgetragenen Stoffen in östliche Richtungen stattfindet. Für die nächsten Tage wird eine stabile Windrichtung erwartet.
Die folgende Abbildung zeigt Messdaten zu am Standort Fukushima I (Daiichi) ermittelten Ortsdosisleistungen an verschiedenen Messpunkten im Zeitraum 12.3.2011, 10:00 bis 15.03.2011, 23:35 Uhr (Ortszeit). Darüber hinaus sind punktuell neuere Daten aus einer Pressekonferenz von NISA für den 16.03.2011 zwischen 10 und 11 Uhr Ortszeit für den Messpunkt am Haupteingang dargestellt. Weitere Daten liegen derzeit weder von NISA noch von TEPCO vor.
Die Messwerte zeigen unstetige Verläufe mit Werten zwischen 60 nSv/h (Hintergrundstrahlung) bis etwa 12000 μSv/h. Einigen der Maximalwerte können bestätigten Maßnahmen auf der Anlage (z.B. Druckentlastungen) zugeordnet werden, insbesondere die Druckentlastung zum Block 2 am 14.03.2011 zwischen 21:20 und 23:00 Uhr und dem Brand am BE-Lagerbecken in Block 4 vom 15.03.2011. Die Daten zum Brand am BE-Lagerbecken zeigen einen exponentiellen Abfall. Dieser könnte durch am Boden abgelagerte kurzlebige radioaktive Stoffe hervorgerufen werden.
Nach Informationen des Betreibers wurde die Messstelle MP 1 am 13.3.2010 gegen 20:10 auf die Lage des MP 2 verlegt. Diese befindet sich in der Nähe des Blocks 1. An dieser Stelle werden Werte zwischen 400 und 500 μSv/h ermittelt. Daten zu den Messpunkten MP3 und MP4 liegen seit 14.03.2011 ca. 15:30 Uhr nicht vor. Die von der Behörde (NISA) mitgeteilten Ortsdosisleistungswerte zum Zeitpunkt der Explosion im Block 1 sind in den verfügbaren Daten des Betreibers nicht enthalten. Am 15.03.11 nach ca. 6:20 steigen die Werte am Messpunkt Haupttor bis auf ein Maximum von ca. 12000 μSv/h gegen 09:00 Ortszeit an. Vermutlich steht dieser Anstieg mit dem Brand im BE-Lagerbecken von Block 4 in Verbindung. Nach 09:00 gehen die Werte wieder zurück. Dieser Rückgang setzt sich bis 18:00 auf ein Niveau von ca. 450 μSv/h fort. Die punktuell vorliegenden Daten für den 16.03.2011 steigen auf Werte von 2500 bis 6500 μSv/h, die nach Einschätzung von NISA voraussichtlich durch Block 2 verursacht werden.
Am Standort Daini liegen Messwerte der ODL bis 15.03.2011 06:00 Ortszeit vor. Dort ist ab 22:00 Ortszeit am Messpunkt 4 ein Anstieg bis auf ca. 920 μSv/h um 03:10 bzw. 03:50 Ortszeit mit einem anschließenden Rückgang bis auf Werte um ca. 10 μSv/h bis 18:00 zu verzeichnen. Die erhöhten Werte stehen vermutlich mit einem Transport von radioaktiven Stoffen aus Daiichi mit der nördlichen Strömung in Zusammenhang.

Gemessene Dosisleistungen an ausgewählten Messpunkten Daten des Betreibers TEPCO

Kurzzeitig angestiegende Ortsdosierungen an den verschiedenen Messpunkten.
(Quelle: GRS, Stand: 16.03.2011, 06:00 Uhr)
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