Welche Strahlenexpositionen sind in Europa zu erwarten?

In die Atmosphäre freigesetzte radioaktive Stoffe werden mit dem Wind verteilt. Dabei nimmt die Konzentration der radioaktiven Stoffe in der Luft im Allgemeinen mit wachsender Entfernung vom Unfallort kontinuierlich ab und somit auch ihre Schädlichkeit für Gesundheit und Umwelt. Zusätzlich nimmt die Konzentration der radioaktiven Stoffe auch dadurch ab, dass einige Radionuklide während der Zeit, in der die Stoffe über die Atmosphäre über weite Strecken transportiert werden, bereits zerfallen. Dies trifft zum Beispiel auf radioaktives Jod zu. Auch das Auswaschen der radioaktiven Partikel aus der Atmosphäre bei jedem Niederschlag trägt dazu bei und verringert die Menge an Radioaktivität, die mit einer so genannten radioaktiven Wolke nach Europa transportiert werden könnte. Dies führt nach derzeitiger Einschätzung dazu, dass in Europa allenfalls geringfügige Auswirkungen erwartet werden.

Auch nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl waren Radionuklide der Elemente Jod und Cäsium von besonderer Relevanz. Infolge der relativ kurzen Halbwertszeit der Radionuklide des Elements Jod (Jod-133 hat eine Halbwertszeit von etwa einem Tag, Jod-131 von etwa acht Tagen) und der weiträumigen Verteilung in der Atmosphäre kann die radioaktive Belastung in Europa durch radioaktives Jod nur schwer eine Höhe erreichen, die gesundheitlich relevant ist. Dies gilt bezogen auf Europa auch für das radioaktive Cäsium. Radioaktives Cäsium hat zwar eine deutlich längere Halbwertszeit als radioaktives Jod (Cäsium-134 hat eine Halbwertszeit von etwa 2 Jahren, Cäsium-137 von etwa 30 Jahren), jedoch sammelt es sich nicht in einem Organ, wie dies bei Jod in der Schilddrüse der Fall ist. Daher und aufgrund der weiträumigen Verteilung und Verdünnung der radioaktiven Stoffe in der Atmosphäre wird die durch den Reaktorunfall in Japan möglicherweise in Europa auftretende Strahlenbelastung auch durch Cäsium voraussichtlich keine Höhe erreichen, die gesundheitlich relevant ist.

Für Europa und Deutschland sind daher derzeit keine Strahlenschutzmaßnahmen erforderlich. Lebensmittel aus den vom Reaktorunfall in Japan betroffen Regionen werden nicht in nennenswertem Umfang nach Europa importiert. Für Lebensmittel, die in Europa auf den Markt gebracht werden, sind Grenzwerte hinsichtlich der radioaktiven Kontamination einzuhalten. In Europa ist es nicht erlaubt, Milch und Säuglingsnahrung mit mehr als 370 Becquerel pro Liter und andere Lebensmittel mit mehr als 600 Becquerel pro Kilogramm bzw. Liter in den Handel zu bringen. Diese Grenzwerte gelten auch für importierte Waren. Daher ist auch hier nicht mit einer Verschleppung von Radioaktivität von Japan nach Europa zu rechnen.

In Deutschland betreibt das BfS auf dem Schauinsland im Südschwarzwald ein hochempfindliches Messlabor, das als Frühwarnsystem fungiert. Ein Transport radioaktiver Partikel von Japan nach Europa würde mehrere Wochen benötigen und das Eintreffen erster radioaktiver Spuren hier frühzeitig erkannt. Meteorologische Prognosen über einen derart langen Zeitraum und über die weite Entfernung zwischen Ostasien und Deutschland können wissenschaftlich seriös nicht getroffen werden.

Bundesamt für Strahlenschutz

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