Jodtabletten

Tritt bei einem schweren Unfall in einem Kernkraftwerk radioaktives Jod aus, dann kann dieses Jod durch Einatmen vom Körper aufgenommen und in der Schilddrüse gespeichert werden. Damit steigt die Gefahr, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken.
Damit Sie im unwahrscheinlichen Fall eines solchen Unfalls davor geschützt werden, planen die Katastrophenschutzbehörden Schutzmaßnahmen (diese Maßnahmen werden Notfallschutzmaßnahmen genannt); dazu gehört auch das Verteilen spezieller Jodtabletten. Diese Jodtabletten verhindern das Einlagern von radioaktivem Jod in der Schilddrüse.
Bei rechtzeitiger Einnahme von Jodtabletten ist die Schilddrüse bereits mit nicht-radioaktivem Jod gesättigt, bevor radioaktives Jod durch Einatmen aufgenommen werden kann – dies nennt man Jodblockade. So schützen Sie sich vor einer erhöhten Gefahr, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken.

Hochdosierte Jodtabletten – wissenschaftlich korrekt heißen sie Kaliumiodid-Tabletten – sättigen die Schilddrüse mit nicht-radioaktivem Jod. Sie verhindern, wenn sie zur rechten Zeit eingenommen werden, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse ansammelt.
Tritt bei einem schweren Unfall in einem Kernkraftwerk radioaktives Jod in die Umwelt aus, erhält die Bevölkerung im betroffenen Gebiet kostenlos Jodtabletten von den Behörden.
Beruhigend zu wissen: Es werden in Deutschland genügend Jodtabletten bereitgehalten, um die betroffene Bevölkerung – besonders Kinder und Jugendliche – gut zu versorgen.
Die Tabletten, die bei einem Unfall im Kernkraftwerk von den Behörden direkt an die betroffene Bevölkerung im Umkreis von 25 bis 100 km um das Kernkraftwerk verteilt werden (Zielgruppe: Kinder/Jugendliche bis 18 Jahre und Schwangere/Stillende), haben keine Schachtel und werden in Tablettenstreifen zu je 6 Stück verteilt. Wenn Sie diese Tabletten erhalten, bekommen Sie außerdem ein
m Radius von bis zu 25 km um ein Kernkraftwerk werden im Notfall sogenannte „Haushaltspackungen“ von den Behörden an die Bürger verteilt (Zielgruppe: Alle Personen bis 45 Jahre). Diese Tabletten erkennen Sie an einem roten Streifen auf der Schachtel. Eine Schachtel enthält 20 Kaliumiodid-Tabletten mit jeweils 65 mg Kaliumiodid. Wenn Sie in einem Umkreis von bis zu 10 km um ein Kernkraftwerk wohnen, kann es sein, dass Sie die Tabletten bereits erhalten haben.
Möchten Sie sich selbst mit Jodtabletten bevorraten, können Sie die Jodtabletten auch rezeptfrei in der Apotheke kaufen. Diese in Apotheken erhältlichen Schachteln erkennen Sie an einem grünen Streifen bzw. einem Streifen mit Farbverlauf. Auch für diese Tabletten gelten die Einnahmevorschriften wie für die Tabletten aus der Notfallbevorratung.





Jodblockade
Unsere Schilddrüse benötigt Jod, um lebenswichtige Schilddrüsenhormone zu produzieren. Das benötigte Jod gibt es in der Natur. Unsere Schilddrüse nimmt über die Atemluft, über Nahrung und Getränke ständig Jod auf. Dieses natürliche Jod ist nicht radioaktiv.

Im Betrieb eines Kernkraftwerkes entsteht bei der Kernspaltung neben anderen radioaktiven und nichtradioaktiven Stoffen auch radioaktives Jod. Bei einem Unfall kann es zur Freisetzung von radioaktivem Jod kommen. Radioaktives Jod hat grundsätzlich die gleichen Eigenschaften wie natürliches Jod. Es wird daher wie natürliches Jod vom Körper aufgenommen und in der Schilddrüse eingelagert. Das ist aber von Nachteil: Die vom radioaktiven Jod ausgehende Strahlung kann die Wahrscheinlichkeit für Schilddrüsenkrebs erhöhen, besonders bei Kindern und Jugendlichen.

Werden jedoch rechtzeitig Tabletten mit einer hohen Konzentration nicht-radioaktiven Jods eingenommen, wird die Schilddrüse mit diesem „gesunden“ Jod so gesättigt und kann kein radioaktives Jod mehr aufnehmen. Durch diese „Jodblockade“ wird also die Einlagerung des radioaktiven Jods in der Schilddrüse verhindert. Wichtig ist, dass Jodtabletten zum richtigen Zeitpunkt eingenommen werden, damit sie optimal wirken.

Effektivität der Jodblockade – Tschernobyl/ durchgeführte Jodblockade in Polen

Der Reaktorunfall von Tschernobyl war der einzige Unfall in einem Kernkraftwerk, der eine Jodblockade zum Schutz der Bevölkerung erforderte. In Polen, dessen Bevölkerung damals vom Durchzug der radioaktiven Wolke besonders betroffen war, wurde beschlossen, nicht-radioaktives Jod – insbesondere an Kinder – zu verteilen. 10,5 Millionen Kinder und 7 Millionen Erwachsene wurden mit Jod behandelt. Die positive Wirkung der Jodblockade wurde durch Nachuntersuchungen bestätigt. Bei den behandelten Personen gab es keinen Anstieg der Schilddrüsenkrebshäufigkeit. In Weißrussland hingegen – wo keine Jodblockade durchgeführt wurde – ist nach der Tschernobyl-Katastrophe der Schilddrüsenkrebs bei Kindern, der sonst extrem selten vorkommt, leider hundertmal häufiger aufgetreten.

Wann der richtige Zeitpunkt ist, und wie und wo Sie die Jodtabletten erhalten und welche Hinweise für deren Einnahme zu beachten sind, lesen Sie auf den folgenden Seiten.
"Haushaltspackungen" mit 20 Tabletten
In der Apotheke erhältliche Tablettenschachteln
Achtung!
Die hier dargestellten Jodtabletten dürfen nicht mit den Jodtabletten verwechselt werden, die zur Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten vom Arzt verschrieben werden. Die Menge an Jod in diesen vom Arzt verschriebenen Tabletten ist viel zu gering, um sie zur Jodblockade einzusetzen.
Umgekehrt dürfen die Jodtabletten, die zur Jodblockade eingenommen werden wegen ihrer hohen Jodmenge, nicht zur Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten verwendet werden. Zu Ihrer eigenen Sicherheit dürfen sie nur nach Empfehlung durch die Katastrophenschutzbehörden bei einem Unfall in einem Kernkraftwerk eingenommen werden.
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit


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