Die Türken sind unsere Feinde

von Mareike Aden, Eriwan
Hiç bir zaman dost olmadık olamayız !

Die türkisch-armenischen Beziehungen sind beim Besuch des türkischen Premiers Erdogan bei US-Präsident Obama eines der Themen. Protokolle zur Grenzöffnung sind zwar unterschrieben, aber nicht ratifiziert. Auch Armenien ist in der Frage gespalten.
Wenn David Danieljan und seine Frau Teresa in ihrem Garten im armenischen Grenzdorf Baragan stehen, sehen sie die Minarette im türkischen Nachbardorf Halikislak. Doch die Grenze zwischen Armenien und der Türkei ist abgeriegelt: Die Türkei schloss sie 1993 aus Solidarität mit Aserbaidschan, das mit Armenien bis heute im Konflikt um Bergkarabach steht. Es liegt auf aserbaidschanischem Territorium, aber die faktische Kontrolle über das vor allem von Armeniern bewohnte Gebiet hat Armenien.


Seit die Türkei und Armenien im Oktober Verträge unterschrieben, in der sie einer Öffnung der Grenze und der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zustimmen, hofft David Danieljan wie die meisten der 600 Einwohner des isolierten Bergdorfes, dass es bald so weit ist. „Wir würden asphaltierte Straßen bekommen, vielleicht auch Gas- und Wassereinleitungen“, sagt er. Doch sein Nachbar Aschot, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen möchte, ist trotz dieser Vorteile gegen eine Grenzöffnung. Er hat in Karabach gedient, als dort noch Krieg herrschte. „Als Verbündete von Aserbaidschan sind die Türken unsere Feinde.“




ZDF
Die Grenzregion zwischen der Türkei und Armenien
Die Genozid-Frage als Hindernis
Rund 100 Kilometer entfernt von Baragan erinnern in der Hauptstadt Eriwan das Genozid-Mahnmal und ein Museum an die Vertreibung der Armenier aus dem Osmanischen Reich. Von 1915 bis 1923 seien fast zwei Millionen ihrer Vorfahren systematisch ermordet worden, sagen die Armenier und sprechen von einem Genozid. Den will die heutige türkische Führung nicht anerkennen – sie spricht von 300.000 Toten. Dieses Kapitel türkisch-armenischer Beziehungen belastet den Prozess der Grenzöffnung ebenso wie die Karabach-Frage.


Tatsächlich hat bisher weder das türkische noch das armenische Parlament die Protokolle ratifiziert – erst dann treten sie in Kraft. Wann – und ob überhaupt – das geschehen wird, scheint unklarer denn je. Wer mit den Menschen in Eriwan spricht, merkt: Die meisten sind im Grunde für die Grenzöffnung, weil sie auf wirtschaftliche Vorteile hoffen. Aber sie fürchten, dass ihre Regierung der Türkei gegenüber Zugeständnisse machen wird. Zumal aus der türkischen Führung immer wieder zu hören ist, dass Armenien die Genozid-Frage fallen lassen und Karabach aufgeben müsse, sonst bleibe die Grenze zu.


Armenien braucht wirtschaftliche Impulse
Im armenischen Außenministerium verspricht man zwar, sich auf keine solcher Bedingungen einzulassen – zumal in den Protokollen keine Rede davon ist. Aber da die armenische Wirtschaft stark unter der Wirtschaftskrise gelitten hat, könnte das Land eine Grenzöffnung gut gebrauchen. „Wir wären Transitland, hätten endlich Zugang zum Meer und nach Europa und der türkisch-armenische Handel müsste nicht mehr über Georgien abgewickelt werden“, sagt der stellvertretende Außenminister Arman Kirakossian.


Doch der Widerstand wächst: Schon im Oktober und November gab es in Eriwan Proteste, die von der nationalistischen Partei „Armenische Revolutionäre Föderation“ (ARF), auch Daschnakzutjun genannt, organisiert wurden: Rund zehntausend Menschen gingen gegen die Protokolle auf Straße. Die ARF will die im Volk vorhandene Skepsis nun in eine landesweite Protestwelle verwandeln.


Unterschriften gegen Grenzöffnung
Deshalb gehen in diesen Wochen ARF-Anhänger im ganzen Land von Tür zu Tür und sammeln Unterschriften, die dann den Wahlkreis-Abgeordneten im Parlament vorgelegt werden soll. „Die Protokolle sind gefährlich für mein Land, es ist meine Pflicht dabei zu helfen, sie zu verhindern“, sagt die 21 Jahre alte Lilit Lalaijan, die in Eriwan mit Parteigenossin Maria jeden Tag zwei Stunden Unterschriften sammelt.


Doch es gibt auch eine gemäßigte Opposition, sowohl im Volk, als auch in der Politik: „Wir sollten diplomatische Beziehungen aufnehmen, um alle Fragen zu klären, aber schon jetzt die Grenze zu öffnen – das geht nicht“, sagt Raffi Hovannisian, der der erste Außenminister des unabhängigen Armeniens war und als Folge der Vertreibungen in den USA aufwuchs. „Die Protokolle und ihre Ziele sind Augenwischerei, eine schöne, aber täuschende Schaufensterdekoration – mehr aber auch nicht.“

  1. #1 von Anonymous am 08/12/2010 - 20:27

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